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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 8 (1889) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
8 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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62 Jude, der nach Shishavah ging, schloß sich unserer Karawane an und bat mich, ihn auf dem Wege zu beschützen. Ich sagte ihm, er solle Schutz von Gott erbitten. Das Wetter war trübe und regnerisch. Um J2 Uhr mittags kam ich in Netla ari; einem Dorf, das 3 Stunden von Marokko entfernt ist und an einem Fluß gleichen Namens liegt. Dieser Fluß war sehr angeschwollen und die Strömung so stark, daß wir zwei Tage hier bleiben mußten, ehe wir wagen konnten, ihn zu überschreiten. In der Montagnacht hatten wir einen heftigen Regen, welcher 7 Stunden dauerte. Mein ganzes Gepäck und Bett wurden uaß. Meine Maultiertreiber bemühten sich ^vergeblich, das Eindringen des Regens in mein Zelt zu verhindern. Lin Araber, welcher draußen schlief, wurde von einem Skorpion gebissen, und der arme Mensch schrie die ganze Nacht. Linen solchen Regen hatte man seit JO Jahren uicht erlebt. Während meines Aufenthalts in Netla war ich genötigt, um zwei Männer zur Bewachung meines Zeltes zu bitten, da der Mrt sehr gefährlich ist. Am 3. Mai kam ich in Shishavah an, nachdem ich JH Stunden auf meinem Maultier gesessen hatte. Don drei großen Flüssen, die wir überschritten, war der Asif-el-Mal der größeste und .gefährlichste. Mein Maultiertreiber, ein glter Araber, wäre beinahe Don der Strömung fortgetrieben worden. Shishavah ist J25 englische Meilen von Mogador entfernt und ein großes Dorf mit einer Iudenkolonie. Ls liegt an dem Fluß desselben Namens und hat schöne Gärten uud Grangenhaine, aber sehr wenig Kaufläden, Hier befinden sich zwei N'zallas oder Regierungsstationeg für die Aufnahme von Reisenden. Auf meinem Wege nach Marokko rastete ich hier drei Stunden und besuchte während dieser Zeit das Iudenviertel, wo man mich freundlich aufnahm und mir Milch, Brod, Lier und Buttermilch brachte. Der Rabbiner führte mich in die Synagoge, einen sehr kleinen und dunkeln Raum von etwa \2 Huadratfuß. Sie enthält nichts als einen Schrank, in dem eine sehr alte und schmutzige Gesetzesvolle liegt. Nach den Mitteilungen des Rabbiners sind die Juden hier Landleute. Sie handeln mit den Juden von Marokko, Saffi und Mogador. Sie werden von den benachbarten Arabern sehr verfolgt und freuen sich, wenn sie sich mit einem Christen unterhalten können. Am 5. Mai, 5 Uhr nachmittags, erreichte ich meinen Bestimmungsort Mogador. Die Missionsreise dauerte 3^ Tage. Möge Gott die predigt und die Verbreitung seines Worts ‘ um Jesu Christi willen segnen! (Nach „The Jewish Intelligence" von *888 u. 89.) Was dunkel euch von Christo? Pharisäer, was hast du Jesu vorzuwerfen? „Lr ißt mit den Zöllnern und Sündern." Ist das alles? „Ja." Und du, Kaiphas, was hältst du von ihm? Ist er schuldig? „Lr ist ein Lästerer, denn er hat gesagt: „Ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzend zur Rechten der Majestät Gottes und kommend in den Wolken des Fimmels.""

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