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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 8 (1889) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
8 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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58 Kreuze wallenden Heilandes: „Den Frieden lasse ich euch. Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht." In einer kleinen Schar nur wurde des Auferstandenen Gruß vernommen: „Friede sei mit euch!" Lin armes Häuflein nur, erschien in der großen Stadt die Gemeinde, welcher der Geist Gottes das Zeugnis der Gotteskindschaft brachte und mit ihm den Frieden, in welchem sie fröhlich für den HLrrn zu sterben bereit war. Die Menge des Volkes erfüllte das Maß der Sünde. Der Unfriede mehrte sich. Der Fluch, den sie auf sich geladen: „Sein Blut komme über uns und unsere Rinder!" vollzog sich. Jerusalem, das nicht erkannt hatte, was zu seinem Frieden hätte dienen können, ward in blutigem Streit zerstört, das innerlich zerrissene Volk in alle Welt zerstreut. — Dieselbe Sünde wirkt dasselbe Gericht, derselbe Unglaube denselben Tod. Völker, Städte, Däuser, Seelen — sie können Frieden haben, wenn sie wollen, in Christo. Völker, Städte, Däuser, Seelen fahren in Unfrieden zur Verdammnis hin, wenn sie den Frieden, der ihnen geboten wird, von sich weisen. Wer Ohren hat zu hören, der höre! (w. Baur, jetzt GeneralsuperintendenL in Toblenz: „Nachbar" XXIII. Bd., S. 249). II. Lin Wandrer irrte, ohne zu ermüden, Von Land zu Land in schneller,, steter Flucht. Manch köstlich Lrdengut war ihm beschieden: Nur eines nicht, obwohl er's lang' gesucht. Lr seufzt verzweiflungsvoll: „wo find' ich Frieden? An welchem Baume reift die süße Frucht, Die Ruhe schafft der unruhvollen Seele Und sie erlöset aus des Kummers Höhle?" Da tritt zu ihm von ungefähr ein Knabe Und heftet lächelnd sich an feine Spur. „O halte an! was du begehrst, das habe Ich hier im reichsten Maß in Wald und Flur. Drum mach's wie ich, mein armer Freund, und labe Dich fortan an den Reizen der Natur!" — Er that's — in Berg und Thal, in Nord und Süden: Doch, ach, so fand er nicht den wahren Frieden. „wo find' ich Frieden?" tönt die Klage weiter. Und sieh', ein edler Jüngling hört auf ihn. „Dir fehlt die Kunst!" so predigt der Begleiter. „Musik, mit ihren süßen Melodie'n, Plastik und Malerei: sie sind die Leiter, Auf der die Engel uns entgegenziehn." — Der Flüchtling lauscht und folgt. Doch auch die Sterne Der Kunst erloschen bald in weiter Ferne. Da nahte aus der Weisheit hehren fallen Lin Mann dem Pilger im Gelehrlenkleid. „hierher, du Friedeloser, mußt du wallen, Und schöpfen aus dem Born -Gelehrsamkeit^. Da werden schnell die starken Mauern fallen, Und fröhlich rufst du dann: -Ich bin befreit!*" — Er folgte diesem Rate unverdrossen: Das Thor zum Frieden aber blieb verschlossen. „Zu einsam," sprach ein Greis „ist noch dein Leben, Lin treuem Weib verbinde sich mit dir! Die Li^ebe wird dir neue Flügel geben, Drum pflanze auf ihr leuchtendes panier! willst du noch länger in die Ferne streben Und draußen Frieden suchen für und für?" — Ob sel'aes Glück die Ehe auä) gewähret, wem hat den vollen Frieden sie bescheret?

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