Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 7 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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5H Löwen sollen Lämmer werden. In einer rheinischen Stadt besuchte Missionar Goldstern i. I j(885 einen alten jüdischen Kaufmann, um mit ihm über das Line Notwendige zu sprechen. Lr hatte aber kaum den Namen „Jesus" genannt, da geriet der Mann in die furchtbarste Aufregung und verlangte von seinem Besucher, er solle ihn sofort verlassen. Dem anwesenden Sohn war das Beirehmen seines sonst so friedfertigen Vaters unbegreiflich. Lr entschuldigte es bei dem Missionar, dem er gefolgt war, mit der zunehmenden Kränklichkeit des alten Mannes. Die beiden schieden dann als Freunde von einander, nachdem Goldstern dem jungen Israeliten einige Schriften eingehändigt hatte. Bei einer späteren Anwesenheit in derselben Stadt machte der Bote des Heils in jenem ^Hause die gleichen Erfahrungen, während der Sohn und auch die Tochter, die zuerst allein zugegen waren, eine halbe Stunde lang seinen Worten zuhörten, wurde er von dem bald zurückkehrenden Vater hart .angefahren. Ia, diesmal tobte der Sturm noch heftiger als beim ersten Besuch. Im Oktober des Iahres J887 kam Goldstern wieder an den Wohnort des alten Fanatikers. Lr war fest entschlossen, das Haus des letzteren nicht mehr zu betreten, hätte aber gerne seine Rinder -gesprochen, de,reu er auf ihren Wunsch ein Neues Testament verschafft hatte. Lr wanderte mehrmals durch die Straße, in welcher die -Familie wohnte, ohne seinen Zweck zu erreichen. Da sieht er am letzten Tage vor seiner Abreise bei einem solchen Gang den alten -Inden vor seinem Laden stehen. Freundlich grüßend setzt er seinen weg fort. Allein hinter ihm wird sein Name genannt. „wie -kommen Sie mir vor?" ruft der Kaufmann ihm zu und macht ihm in der freundlichsten weise Vorhalt wegen seiner Eilfertigkeit. „wie kommen Sie mir vor?" lautet die Gegenfrage. „Ich bin mir bewußt, meine Schuldigkeit gethan zu haben. Sogar nachdem Sie mich beschimpft und beleidigt hatten, suchte ich Sie auf, um Ihnen den zu verkündigen, der auch für Sie mit seinem Blute bezahlt hat und auch Sie selig machen will." Der Iude aber meinte, Goldstern dürfe nicht so streng richten und werde vielleicht noch einmal anders über ihn urteilen. Und nun unterhielten sich beide über eine halbe Stunde mit einander. Einige Monate später teilte der Sohn des ehemaligen Widersachers dem Missionar brieflich mit, sein Vater sei schwer krank und wünsche dringend, ihn zu sehen. Goldstern beeilte sich, diesen Wunsch zu erfüllen, und reiste zu dem Sterbenden. Der alte Mann bezeugte ihm seine Freude und seinen Dank mit gebrochener Stimme. Danw hielt er die Hand des Besuchers fest, ohne ein Wort zu sagen. Auf die Frage nach seinem Begehren richtete er sich mit großer Anstrengung im Bette auf, bat seine Frau und Rinder das Zimmer zu verlassen und sagte, nachdem dies geschehen war und er mehrmals tief Atem geholt.hatte: „Lieber Freund! Meine Stunden sind gezählt, und ich fühle, daß es mit mir zu Ende geht. Nun muß ich bekennen,