Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 6 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zesu, meiner Seele Freund, Laß an deine Brust mich flieh'n! Mächtig braust der Sturm daher, Hoch empor die Wasser sprüh'n! O verbirg, mein Heiland, mich, wenn das Uygervitter tobt! Bring mich sicher an den Ort, wo der Sel'gen Schar dich lobt! Ach, wo fand' ich Zuflucht sonst? Nur an dir hängt ganz mein Herz. Laß, ach laß mich nicht allein, Tröste mich in meinem Schmerz! Nur auf dir ruht mein vertrau'n, Nur auf deiner Wunderthat. Decke mein schutzloses Haupt Mit dem Schatten deiner Gnad'l Viel Erbarmen ist bei dir, Reinigung von aller Schuld. Heile du mich ganz und gar Laß mich schmecken deine Huld! Lebensquell, o mach mich frei Von des Todes Last und Leid! Fließ in meinem Herzen stets Bis in alle Ewigkeit! Me 70 Wochen im Huch Daniel. Lin Sendschreiben an Herrn p. R. in R. Sie fragen, ob der im Sommer J887 zu Zohannisbad von mir gehaltene Vortrag über Daniel 9 in den „Dibre Emeth" abgedrukt worden sei. Dies ist nicht der Fall. Zu einer vollständigen Wiedergabe meines Erklärungsversuches kann ich mich auch heute nicht entschließen. Nehmen Sie mit einigen Bemerkungen über jenen viel behandelten Abschnitt fürlieb! Ich schicke voraus, daß ich im Buch Daniel wirkliche göttliche Offenbarungen finde, nicht eine in die Formen prophetischer Rede gegossene Geschichtserzählung, bei welcher höchstens nur ganz wenige Stücke zur Zeit der Abfassung noch nicht der Vergangenheit angehörten, sondern Zukunftshoffnungen oder Ahnungen enthielten. Was die neuere Linleitungswiffenschaft (vgl. z. B. Stracks Einl. ins A. T. {888, s. 68 ff;) über die Entstehung und den Wert dieser alttestamentlichen Schrift aussagt, halte ich nicht für überzeugend. Die Lngelpredigt Kapitel 9 wurde durch Daniels Nachsinnen über Zer. 25, U f. und 29, JO und sein daraus erwachsenes Bußgebet veranlaßt. Der Prophet hatte sich der Hoffnung hingegeben, jetzt, im ersten Zahr des von Lyrus zum Statthalter oder Vizekönig von Babylonien eingesetzten Darius Gobryas (Ugbaru), d. h. 536 v. Ehr., sei das Ende der von Zeremia geweissagten Strafheimsuchung für sein Volk gekommen, und das letztere werde nunmehr wieder in den Besitz Kanaans und Jerusalems gesetzt werden. Die Unterjochung Zudas durch Babel hatte im Zahre 606 mit der Schlacht bei Karchemisch begonnen, mithin waren die 70 Zahre Zeremias abgelaufen. Und wirklich trat ja im Jahre 536 ein großer Umschwung der Dinge ein: Lyrus erlaubte die Rückkehr der Verbannten und den Wiederaufbau des Tempels, aber freilich noch nicht der Stadt. Daniels Flehen fand Erhörung, und seine Hoffnung ging in Erfüllung. Doch nicht auf die äußere