Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 5 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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39 kein Mort. Unsere Blicke ruhten auf dem Bilde zu unseren Füßen, und die Gedanken erwogen, was an diesen Stätten geschehen ist. Hier unten rang mein Heiland mit dem Tode. Drüben, vor dem damaligen Jerusalem, hing er am Kreuze und starb. Unfern davon legten sie ihn in sein Grab, aus welchem er am dritten Tage lebend wieder hervorging. Hier oben, von der Spitze des Glbergs, fuhr er gen Fimmel, nachdem er seinen Jüngern gesagt: „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und in Samarien und bis an das Ende der Erde." Und nun wunderten die Gedanken weiter, von Jerusalem aus in die umliegende Landschaft, deren Name früher Judäa hieß, dann hinüber nach dem Lande der Samariter im Norden, endlich aber weiter und^ weiter in alle Lande der Heiden." Auch seiner aus christgläubigen^ Heiden gesammelten Gemeinde zu Ranschi in Bengalen gedachte der Rkann der Heidenmission in jener Nacht am Glberg. Kleine indische Chronik. Line im Februar d. I. in Breslau vorgekommene Gerichtsverhandlung veranlaßte das hier erscheinende „Schlesische Morgenblatt", die mittelalterliche Anklage gegen die Juden zu erneuern, daß dieselbe!: auf Thristenblut ausgehen. Als der Herausgeber dieses Blattes in einer Zuschrift an die Redaktion die Nichtigkeit jener Behauptung mit Hinweis auf die Forschungen des hervorragendsten christlichen Kenners der jüdischen Litteratur, des Professors Franz Delitzsch, in Leipzig, dargethan hatte, wurde nur ein Teil des Schreibens in der genannten Zeitung zum. Abdruck gebracht. Doch sah sich die Redaktion genötigt, von der schriftlichen Überlieferung, als der Duelle jenes angeblichen Brauches, auf die mündliche zurückzugehen. Daß auch in der letzteren kein Anhaltspunkt für jene ungeheuerliche Beschuldigung zu finden ist, bezeugen zahlreiche glaubwürdige Stimmen aus den verschiedensten Kreisen des Judentums. Inzwischen rückten die weiteren gerichtlichen Erhebungen den „Fall Bernstein" in eine neue Beleuchtung und entzogen jener Anklage dadurch vollends den Boden. — Nicht selten kommt bei den Israeliten ein ungewöhnlich hohes Lebensalter vor. Line Frau Neuwelt in var-palota (Ungarn) starb kürzlich im Alter von jog Jahren. In Bielefeld vollendete Markus Jordan das *09. Lebensjahr. Der Kaiser ließ ihm aus diesem Anlaß durch den Bürgermeister eine goldene Medaille nebst Glückwunschschreiben überreichen. In Breslau feierte der frühere Viehhändler pirsch Sonnenfeld am 22. März d. I. seinen ^00. Geburtstag. Auch in diesem Fall übersandte der jugendliche Landesvater dem greisen Geburtstagskinde den schriftlichen Ausdruck seiner Teilnahme, außerdem eine prachtvolle Tasse mit dem Bildnis des an demselben Tage geborenen Kaisers Wilhelms I. Der Vater Sonnenfelds wurde H3 Jahre alt. — In Baiern müssen bei allen Schul- und Linjährig-Freiwilligen- Prüfungen auf Wunsch Termine von Sabbaten und jüdischen Festtagen auf andere Tage verlegt werden. Infolge einer Eingabe mehrerer israelitischer Studenten in Würzburg, die mit einem Gutachten des dortigen Bezirksrabbiners Bamberger versehen war, und mit Rücksicht auf das jedem Staatsbürger verfassungsmäßig gewährleistete Recht der Gewissensfreiheit, verfügte das Ministerium neuerdings, daß für die orthodox-israelitischen Kandidaten der ärztlichen Prüfung diejenigen Teile eines Prüfungsabschnittes, in welchen sie genötigt find, zu schreiben oder zu sezieren, oder ein Präparat anzufertigen, oder eine Operation auszuführen, an den genannten Tagen nicht abgehalten werden sollen. — Gegenüber der von einem Antisemiten in Breslau erhobenen Beschuldigung, der frühere französische Minister Tromieux, der Vorsitzende der israelitischen Allianz, habe für einen Mörder Wilhelms I. eine Million bereitgestellt, erklärt die Tochter des verstorbenen, Frau Mathilde Peigno-Lremieux: „Mein Vater hat mit allen Kräften, gemäß seiner Pflicht als Franzose und als Mitglied der Regierung, an dem Werk der nationalen