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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 5 (1889) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
5 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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38 Gründonnerstag bei den Evangelischen in Jerusalem. (Schluß.) An ebendemselben Tage des Jahres 1888 weilte der Berliner Missionsinspektor und Professor plath in Jerusalem. Was er da erlebt hat, schildert er in seinem Büchlein: „Line neue Reise nach Indien", 5. \63 ff. Am Morgen des Gründonnerstags besuchte er den Garten Gethsemane, wo er wie alle Besucher mit Blumen und Glbaumblättern beschenkt wurde. Dann gings auf die Höhe des Olbergs hi,wuf. „Der Blick von dem Teile des Berges,' von welchem unser Heiland Jesus Christus gen Fimmel gefahren ist, erfüllt das Herz mit Frohlocken und Entzücken." Auf dem Rückwege sah er die „Vaterunserkirche", in deren Vorhalle das Gebet des HLrrn in 32 Sprachen an die Wände geschrieben ist. Nachmittags wanderte er nach dem Aussätzigenasyl vor dem Jaffathor. Über die Feier des Abends lassen wir ihn mit seinen eigenen Worten berichten: „wenn die Nacht herein bricht, von welcher Paulus, geschrieben hat: „Unser HLrr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot" u. s. w., gehen alle Glieder der deutschen Gemeinde, welche es nur irgend möglich machen können, zum heiligen Abendmahl. Das dauert von 6 Uhr abends an etwa Stunden. Dann geht man dorthin, wo man wohnt. Allein in der Nacht, da Lr verraten ward, hat man das innere Bedürfnis, auch einmal nach dem Ort, da er verraten ward, zu gehen. Also verabreden sich die Glieder einer Familie oder ein Ureis von Freunden und wandern am späten Abend nach dem Olberg hinaus. Auch unser fünf oder sechs Männer thaten so. Wir schritten durch die schon stillen Gassen von Jerusalem, und zwar ungefähr denselben Weg, welchen unser Heiland mit seinem Kreuze von pilati Richthause nach dem Platze der Einrichtung geschritten sein muß, aber in umgekehrter Richtung, da wir aus der Nähe von Golgatha an der Stätte, da der heidnische Statthalter über den HLrrn sein Wort: „Sehet, welch' ein Mensch!" ausgerufen haben soll, vorüber zum Stefansthore hinausgingen, um durchs Ridronthal an den Olberg zu gelangen. Als wir die Stadt hinter uns hatten, gingen wir den steinigen Pfad rechts hinunter auf die weißen Mauern des Gartens Gethsemane zu, ließen dieselben aber rechts liegen und stiegen den Olberg auf einem steilen Fußwege hinauf. Als wir ein gutes Stück in die Höhe gelangt waren, wurde halt gemacht. Ls lagen da einige große Steine oder Holzklötze, auf die ließen wir uns nieder und wandten unsere Augen nach Jerusalem hin. Der volle Mond stieg soeben über den Olberg zum Fimmel hinauf und beleuchtete das herrliche Bild vor uns. Drüben und unten war fast nirgends Licht zu schauen. Nur hier rechts unten erblickten wir eins, und drüben, unter der alten Stadtmauer, an welcher die Muhammedaner ihre Toten begraben, war nach ihrer Sitte ein Grabeslicht angezündet worden. Tiefe Stille herrschte ringsum und wurde» nur selten durch ein fernes Hundegebell unterbrochen. Auch wir sprachen unter einander

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