Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 5 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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35 stehen sollte. Sieht man von Christus und dem Christentum ab, so ist Israels Geschichte eine ziellose und verläuft sich im Sande. Wäre etwa der Talmud der Abschluß der vorchristlichen Entwickelung? Die letztere gliche dann dem ins tote Meer mündenden und hier mit allem Lebendigen, das er ihm zuführt, ersterbenden Jordan. Daß nicht alle durch Abstammung verbundenen Glieder des jüdischen Volkes einSegen für die Erde sind, zeigen zahlreiche alttestamentlicbe Stellen. Aber solche Aussprüche unterscheiden sich gar sehr von den Anklagen der Antisemiten. Mährend diese im blinden Unglauben und Rassenhaß verkennen, was die Melt Israel verdankt, und was es einst noch für das Reich Gottes leisten wird, atmet die Rüge der Propheten nicht nur heiligen Eifer, sondern auch hoffende Liebe und läuft in Verheißung aus. Die Boten Gottes glauben an Gottes Mahl und Israels Bestimmung. Sie wissen, daß die ’ Entartung der Masse die Erfüllung seines Meltberufs zwar für eine, aber nicht für alle Zeiten, vereiteln kann. Nack der heiligen Schrift erfüllt Israel seinen Beruf schon durch sein Dasein, dann durch seine Erlebnisse und endlich durch Selbstbethätigung in der Überwindung der Melt teils mit eiserner Waffe, teils mit der Geistesmacht des Glaubens und der Liebe. In Jesu und seinen Aposteln kommt der Beruf Israels, als des Apostelvolkes (Jesaia ^0—66), so zum Vollzüge, daß alle frühere Missionsthätigkeit von seiten der Juden davor verschwindet. Mit Bezug auf die letztere verweist Delitzsch auch auf das vorchristliche jüdische Schrifttum. Vielleicht war schon das Buch der Weisheit, welches die Abgötterei bekämpft (Kap. (3—15), nicht bloß für jüdische, sondern auch für heidnische Leser bestimmt, also eine Art Missionstraktat^ Noch wahrscheinlicher ist es, daß der jüdische Dichter Ezekielos durch seine dramatische Bearbeitung biblischer Stoffe die Heiden zur Hochachtung vor der göttlich-großartigen Geschichte Israels bewegen wollte. Ausdrücklich richtete sich Aristobuls Merk über das mosaische Gesetz an Heiden, zunächst an König ptolemäus Philometor. Noch mehr sind die Schriften philos eine Verherrlichung der alttestamentlichen Religion für heidnische wie jüdische Leser, wie philo, schrieb auch Josephus eine Apologie seines Volkes. Von den eigentlichen Missionsschriften, die insgesamt als aus dem Heidentum hervorgegangene angesehen sein wollen, stehen oben an die Sibyllinen. Line heidnische Prophetin erzählt , hier heidnischen Völkern die Geschichte der Melt und fordert sie unter Drohungen und Verheißungen auf, sich dem Gotte der Offenbarung bußfertig zu unterwerfen. Anpreisungen der jüdischen Religion enthielten ferner das verloren gegangene Buch über Abraham, welches dem Philosophen Ljekatäos von Abdera untergeschoben wurde, das aus 230 Hexametern bestehende Spruchbuch, welches den Namen des phokylides von Milet trug, das angeblich von dem sterbenden Orpheus für feinen Sohn Musäos verfaßte Gedicht über den allein wahren Gott, sowie die dem Äschylos, Sophokles nnb andern Klassikern in jener Zeit beigelegten Aussprüche. Solche gefälschten Zeugnisse erregen, mehr Ekel als Freude. Als das Christentum seinen Siegesgang angetreten hatte, zog sich das