Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 5 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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3H beantworten. Jener erblickt in der Behauptung der Juden, sie seien das auserwählte Volk, nur eisie Äußerung; ihres nationalen Selbstgefühls, dieser die' Bezeugung einer längst'hinfällig gewordenen geschichtlichen Thatsacke. Delitzsch erklärt es für schmachwürdig, wenn Christen sich Antisemiten nennen oder nennen lassen. „Der Christ muß mit Noah sagen: Gebenedeiet sei der HErr, der Gott Sems Q. Mose 26)1 Denn es ist ja doch offenbar, daß von Juda aufgegangen ist unser HLrr, der Christus Gottes (Ljebr. 7, s^)." Die Untersuchung darf weder von grobem, noch von feinem Judenhaß beeinflußt werden, darf aber auch nicht übersehen, daß die alttestamentliche Offenbarung nur eine Vorstufe der neutestamentlichen ist und im Geiste der letzteren verstanden sein will. Die Geschichte der Erwählung Israels beginnt mit den Patriarchen und reicht bis in die neutestamentliche Lndzeit. Die Erwählung Abrahams, in dessen Seele die erlösende Gnade Gottes das Licht wahrer Gotteserkenntnis entzündete, war die Erwählung des von ihm abstammenden Volkes. Unter dem pharaonischen Druck und später am Sinai (2. Mose J9, 5 f.) erkannte Mose, daß Israel als Abrahams Same das Volk des Gottes Abrahams sei. Diese seine Erkenntnis teilte sich der Gesamtheit mit. Ls war ein Werk reiner, unverdienter Gnade (5. Mose 7, 7 f.; 9, 5 f.), aber nicht der Willkür und Parteilichkeit, daß Gott Israel erwählte. Er fand in dem Kern des Volkes das für seine Reichszwecke geeignete Werkzeug. Dazu kam, daß der Nicht-Israelit an den Israel gegebenen Rechten und Pflichten teilnehmen konnte. Israels Volksgott ist zugleich Weltgott. Die Götter der Heiden sind tot und haben zum Hintergrund nur dämonische, widergöttliche Mächte der Bethörung (5. Mose 52, \7 und 2. Mose {2t \2). Israels Erwählung und Bevorzugung dient nur eine Zeitlang als Mittel zu einem alle Menschen umfassenden Zweck. In der neutestamentlichen Zeit erlischt dies Vorrecht, nachdem schon das Alte Testament einer Entartung des israelitischen Selbstgefühls gewehrt hatte.' Auch Röm. 9 beweist nicht, daß die Erwählung Israels eine willkürliche Bevorzugung war. Eben der auf Israel bezügliche Teil des Römerbriefes, aber überhaupt das Neue Testament, berechtigt die Gesamtheit der Christgläubigen des neuen Bundes, sich Israel zu nennen. Ls hat nicht ein Rollentausch zwischen der christgläubigen Leidenschaft und dem alttestamentlichen erwählten Volke stattgefunden, denn die Kirche ruht auf israelitischer Grundlage. „Die kleine Herde, welche sich um den HErrn während seines Wandels Hienieden scharte, bestand aus jüdischen Männern und Frauen, und die pfingstgemeinde der Fünftausend, welche der HLrr sich auf den Felsen der predigt Petri erbaute, war eine rein jüdische, obwohl aus den entferntesten Diaspora - ländern zusammengewehete (Apostelgesch. 2, Matth. 1(6, \8); die ersten Bischöfe der Kirche waren jüdischer Abkunft, und keine der Erstlingsgemeinden, an welche die Apostel schreiben, war ausschließlich heidenchristlich." Das neutestamentlicke Gottesvolk erwächst aus dem Reste Israels und der hinzuberufenen Heidenschaft. Dazu war Israel erwählt worden, daß aus ihm das %il in Person, der Heiland, er-