Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 4 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 begann mit ihm. Durch Neander wurde inan auf den unausforschlichen Reichtum Christi aufmerksaiil genlackt, der immer wieder in gewaltigen Ereignissen feine Macht und Gnade erweist, in großen persönlichkeiteil Gestalt gewinnt und in der Kirchengeschichte den handgreiflichsten Beweis liefert für das: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis ail der Welt Ende." Neanders einzelne schriftstellerische Leistuilgen, seine Bilder aus der Kirchengeschichte, in deilen er große persöillichkeiten wie Bernhard von Clairvaux, Lhrysostomus, die Gnostiker, deil Antignostiker Tertulliail allen Gebildeteil zugänglich machte, dräilgteil immer mehr zu einer zusanlmeilhäilgeild'eil Darstellung. An einer solchen arbeitete er von \826 cm, ohne sie jedoch vollenden zu können; er kam nur bis zunl so. Jahrhundert. Auch in diesem Werk verweilt er gerile bei hervorragenden Persönlichkeiten. Diel welliger gelingt es ihm, allerlei verwickelte Verhältnisse klarzulegeil. weilil wir jetzt deil Geist Christi auf uiis wolleil wirkeil lassen, so kanil es uns nicht gleichgültig sein, wie der Heiland sich im Lauf der Jahrhunderte inmitten seines Volkes auf die mannigfaltigfte weise in dieseil und jenen persöilllchkeiteil verklärt hat. Darum war Neanders Darstelluilgsweise gerade das, was die Kirche brauchte. Aber er berührte in feinen Vorlesungen auch andere Fächer: neutestamentliche Schriftauslegung, christliche Glaubeils- und Sittenlehre. Überall schöpft er aus dem Vollen, z. B. stützt er in der Glaubenslehre eineil Lehrsatz nicht durch eineil aus dein Zusammenhang herausgerissene,l Bibelspruch, sondern sieht immer aufs Ganze. Freilich bewahrheitet sich auch ail ihnl Luthers Wort: „Der Christ ist iin werdeil." So zeigt er deil geraden Gegensatz gegeil diejenigen Theologen, die mit ihrer ganzen Glaubensüberzeugung schon früh abgeschlosseil habeil und dann so abgeschlossen sind, daß nichts Neues a,l sie herankommeil fann. Er verlangt, daß man in die Gilade und Wahrheit Christi, in die Heilsthatsachen uild ihre Ausgestaltung in der Lehre immer tiefer eindringe. In den kirchlicheil Kämpfen nahm er eine weitherzige Stellung ein. Als Hengstenberg gegeil Geseilius uild Wegscheider vorgiilg, sträubte er sich dagegen. Ebensowenig war er damit einverstanden, daß das Lebeil Jesu voll David Strauß in Preußen polizeilich unterdrückt werde. Er wollte dergleichen nur mit geistlichen Waffen bekämpfen, währeild er an seiner großen Kirchengeschichte arbeitet, empfindet er die Notwendigkeit, die Geschichte der pflanzuilg und Leitung der Kirche durch die Apostel gründlich zu untersuchen.. Strauß veranlaßt ihil, iloch weiter zurückzugeheil wld das Leben Jesu zu bearbeiten. Wie Tholuck war Neander ein Vater uild Freund der Studenten. Er ging mit liebenswürdiger Freundlichkeit auf alle ihre geistliche und leibliche Not ein, öffnete ihnen täglich sein Haus und hatte auch allezeit eine offeile Hand. Er erbat es sich wohl als eine Gefälligkeit, daß ein Bedürftiger seine Gabe annahnl. Als ein trüber Schatteil fielen die Ereignisse des Jahres s8^8 noch in seinen Lebensabend. Auch da tritt er rnailnhaft hervor. In einer demokratischen Volksversammlung stellt er die Forderung auf, mail