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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 4 (1889) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
4 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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27 als Privatdozent niederzulassen. Bald sammelt sich hier ein kleiner Ureis von Zuhörern um ihn. Aber erst seine Schriften bereiten ihm recht Bahn. H8\2 erscheint das erste bedeutsame Werk von ihm, wunderbarerweise ein Buch über einen Mann, der ihm, wie es scheint, zuwider sein mußte: über Julian den Abtrünnigen, jenen römischen Kaiser, der ein durch Philosophie veredeltes Heidentum, an die Stelle des Christentums setzen wollte. Zndes ist doch eine Beziehung zwischen beiden vorhanden. Beiden ist die Vorliebe für den Griechen Plato gemein. An Plato war Neander emporgewachsen, und hatte in ihm einen Wegweiser zu Christo gefunden. Aber jener Kaiser konnte es nicht ertragen, daß das Göttliche in der Knechtsgestalt, in der Schmach und Niedrigkeit Christi, zum Vorschein kommt, während Neander diese Lehre demütig annahm. So sehr der letztere das Große an Julian anerkennt, so zeigt er auf der andern Seite, daß alles, was der Kaiser unternimmt, zu Schanden werden muß, weil er das Wesen des Christentums nicht versteht. Ls springt in die Augen, daß der Schriftsteller an seinen Melden nicht mit irgend einer Schablone herantritt. Aufgrund der sorgfältigsten Quellenstudien läßt.er dessen ganze Persönlichkeit auf sich wirken und stellt sie nun mit liebendem Eingehen dar. Schon vor der Herausgabe seiner Arbeit über Julian war Neander zum außerordentlichen Professor ernannt worden. Bald nachher erhielt er den Ruf, als ordentlicher Professor an die neugegründete Universität Berlin zu kommen. Lr entschloß sich dazu, obwohl inan ihn in Heidelberg zu halteil suchte. Und so lebte er ilun vom Zahr \8\2 an als theologischer Lehrer in Preußens Hauptstadt. Lr freute sich hier mit Schleiermacher wieder vereinigt zu werden. voll den professoreil Marheinecke uild de wette, die schon im Zahre \81[0 von Heidelberg nach Berlin berufeil w'örden waren, war ihm der erstere zu sehr Philosoph, der andere zu sehr Kritiker, als daß er mit ihnen einen näheren Verkehr unterhalteil hätte. Aber auch zwischeil Schleiermacher und ihin lag jetzt manches Trennende. Dagegeil wußte er sich mit Strauß, Twesteil und Nitzsch innerltcb eins. Neanders Übersiedlung ilach Berlin geschah unter dem Lindruck eines großeil ilatioilalen Aufschwunges. Lr begrüßte denselbeil als den Ailbruch eines neuen Tages auch auf dem Gebiete des Lhristeiltums. Schlicht und einfach verlief fein Lebeil währeild der 38 Jahre, die er in Berlin zubrachte. Ls war so recht das eines stilleil deutscheil Gelehrten. Für feine äußern Bedürfnisse sorgte seine Schwester Hamichen. voil seiner Unbeholfenheit gegeilüber deil Forderungen des Tages erzählen manche ergötzliche Geschichten. Ganz gesund war er wohl nie. Unter schweren Kämpfeil leistete er Großes. Sein Vortrag im Hörsaal war oft lailgsain und stockend, der Satzbau ungeordnet. Aber er sprach mit warmem Toil. Alles atmete fein innerstes Leben aus. vor allein war es seine starke Seite, feinen Zuhörern die Persönlichkeiten, die er darzustelleil hatte, so vor die Seele zu führeil, daß sie Fleisch und Blut gewailileil. Darunl mußten seine vorlesuilgeil reich befruchteild wirken. <Eine ganz neue Art der Kirchengeschichtsschreibung

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