Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1889-01-01 · 3 (1889) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
3 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554956-2554960--08802-2564858
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

\9 waren nicht ohne Ansehen unter ihren Glaubensgenossen. Sie ahnten nicht, daß einmal ein Ereignis eintreten sollte, welches für sie eine sehr schmerzliche Erschütterung, für mich eine seligmachende Wendung in meinem Leben herbeiführte. Wir hatten ein treues, frommes christliches Dienstmädchen, an welchem wir Rinder mit großer Liebe hingen. Als ich heranwuchs, wurde es mir bedeutsam, daß sie jeden Abend, ehe sie sich zur Nuhe legte, ein Neues Testament in die Hand nahm und andächtig darin las. Ich fing auch an, anfangs mit Widerwillen, in das Buch hineinzusehen und dann immer mehr darin zu lesen. Bald kam es zu ernsten Unterredungen, und eines Tages sagte die gute Magd freundlich zu mir: „Komm doch einmal mit in unsere Rirche!" Ich folgte der Aufforderung mit tiefer Scham, als ob ich etwas Unrechtes thäte. Der Prediger redete gerade von der Samariterin am Iakobsbrunnen. Ich mußte mir sagen: „Du bist solch ein armes Weib, welches lebendiges Wasser vom Heilande bedarf, fonft verschmähtest du." Bald faßte ich den Entschluß, öfter eine christliche Predigt zu hören. Und so reifte nun der Wunsch in meinem Kerzen, Thristin zu werden. Nach heißen inneren Rümpfen wagte ich es, mich darüber meinen teuern Eltern gegenüber auszusprechen. Der Schlag war für sie furchtbar, ich aber konnte Glicht mehr zurück. Noch blutet mein Herz bei der Erinnerung an diese Tage. Ich mußte das Elternhaus verlassen. Später habe ich einen treuen christlichen Ehegatten gefunden und muß jetzt dem HErrn für seine Gnadenführungen danken und seinen herrlichen Namen preisen." So wirkte eine schlichte Magd als ein Engel Gottes an einer jüdischen Jungfrau und ward ihr zu ewigem Segen. Gehe hin und thue an deinem Nächsten und, wo die Gelegenheit sich bietet, auch an einem Rinde Israels desgleichen! — n. An frischen Gräbern. II. Aus der Hauptstadt Schlesiens führen wir unsere Leser heute in diejenige Westfalens, von dem Grabe des lutherischen Pastors Weiß an den stillen Ort, an welchem die irdische Hülle des reformierten Ronsistorialrats Georg Wilhelm Becker der Auferstehung entgegenschlummert. Die hohe Altersstufe von Weiß sollte Becker nicht erreichen. Am 30. Januar \834 geboren, verschied er in der Vollkraft des männlichen Alters. Auch wurde ihm nicht wie jenem eine lange Frist zur besonderen Vorbereitung auf sein Ende gewährt, sondern dies trat plötzlich und unerwartet, darum auch um so erschütternder ein. Es war am Abend des 8. Oktobers \888, als er inmitten eines Rreises von Freunden und Amtsgenossen vom Schlage gerührt wurde und alsbald leblos zusammenbrach. Wir gedenken seiner in dieser Zeitschrift als eines treuen Freundes der Sache, welcher sie dient. Die Teilnahme an der Iudenmission war in ihm durch seinen \865 zu Hamburg entschlafenen Oheim und Paten Ferdinand Wilhelm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.