Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 2 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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preis für einen jungen Sklaven beträgt ^00—(500 Mark, der niedrigste {00—200. Die jüngsten Sklavinnen erzielen den höchsten preis, die über 30 Jahre alten den niedrigsten. Diese armen Geschöpfe werden in: Sudan aufgefangen und auf die verschiedenen Märkte Marokkos zum Verkauf gebracht. Die Mellah, oder das Iudenviertel, wo ich während meines Aufenthalts in Marokko wohnte, wurde im Jahre \28S erbaut. Dieser Stadtteil ist sehr ausgedehnt, hat Mauern und ein Thor, welches von 60 Soldaten bewacht wird. <£r enthält jO—U000 heruntergekommene jüdische Bewohner. Gr hat 800 Däuser,. 300 Raufläden, 22 Synagogen, 22 Schulen, in denen J 000 Rinder im Talmud und in rabbinischen Büchern unterrichtet werden, 30 Mühlen, \2 öffentliche Frauenbäder und drei „Fondoks" oder Gasthäuser. . Von: Freitagabend bis zum Sonnabendmorgen wird das Thor wegen des Sabbats geschloffen. Rein Muhammedaner darf am Sabbat die Mellah betreten außer um einer besonderen Rrsache willen. Rurz, die Mellah ist wie eine eigene Stadt. Die Juden haben hier alles, was zum Unterhalt nötig ist. Die Däuser sind alle einstöckig, groß, schmutzig und voller Ungeziefer und Skorpionen. Während der ganzen Zeit, die ich in Marokko zubrachte, konnte ich fast garnicht schlafen. Wäre es mir nicht um meine Arbeit zu thun gewesen, so hätte ich nickt eine einzige Nacht in der Mellah bleiben mögen. Dieser Name bedeutet: „salzen." Vor einigen hundert Jahren pflegten die Araber in der Berberei, den Uferstaaten im nordwestlichen Afrika, die Röpfe ihrer Gefangenen in das Iudenviertel zu senden, um sie dort einsalzen zu lassen. Da Salz auf arabisch „Meleh" heißt, so wurde der Stadtteil mit jenem Nainen genannt. Die Häuser stehen in Marokko nickt so aneinander gedrängt wie in den Mellahs an der Rüste, besonders auch in Mogador, und sind in mancher Beziehung besser eingerichtet. Die Gerichtsbarkeit wird von vier Rabbinern, zwei Scheichs oder Ältesten und einen: Radi ausgeübt, den der Sultan ernennt. Diese Rabbiner sind sehr fanatisch und wollten mich nicht empfangen. Sie veröffentlichten einen Bann, der den Juden verbot, mit mir zu verkehren. Die Juden in Marokko werden von den Arabern sehr bedrückt. Sie dürfen in der „Medinah" nicht in Schuhen gehen, auch nicht auf Mauleseln, reiten, wenn sie nicht europäischen Schutz genießen. Sie Haben gar keinen Ginfluß, und auch der Handel liegt nicht in ihrer Hand. Sie sind sehr geschäftig und arbeiten hart, um sich ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Die Feiertage und Sabbate werden streng gehalten. Sie sind höchst abergläubisch und verehren ihre toten Rabbiner, wie die Araber haben die Juden ihre „heiligen" Häuser, in welchen sie die verstorbenen Rabbiner bitten, am Throne Gottes Fürsprache für sie einzulegen. Alle Juden, die außerhalb der Stadtmauern sterben, müssen auch draußen begraben werden. Man fürchtet mit Seuchen heimgesucht zu werben, wenn die Leiche in die Stadt gebracht und auf dem Mellah-Friedhof begraben würde. Viele Gräber von Rabbinern innerhalb und außerhalb der Stadtthore werden: von