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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 2 (1889) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
2 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3*n Washington, seinem Wohnort, ailgelangt, las unser Freund in «einer Zeitung die Ankündigung eines christlicher Vortrages, bei welchem sich auch ein christlicher Gesangverein hören lassen wollte. Line innere stimme mahnte ihn hinzugehen, und er that's, obwohl ■ev bis dahin nie einer predigt beigewohnt, auch nie ein christliches Buch gelesen hatte, und obwohl der Grt des Gottesdienstes nur fünf Minuten von der Synagoge entfernt war, die er regelmäßig besuchte. Jener Vortrag schien eigens für ihn gehalten zu werden. Mit gespannter Aufmerksamkeit und tiefer Bewegung lauschte er den Worten des Redners. Die Lindrücke der predigt wurden bei der Nachverfammlung verstärkt und drängten auf eine Entscheidung hin. 3it Dr. R. erwachte jetzt das herzliche Verlangen, Zesum kennen zu lernen, sich Gewißheit darüber zu verschaffen, ob seine Lehre Wahrheit sei oder nicht. Lr eilte in seine Wohnung und verschloß sich in sein Studierzimmern Lin Gebet brachte keinen Frieden, steigerte vielmehr das Gefühl seines Llends. Da fuhr ihm beim Anblick der vielgebrauchten Gebetsriemen plötzlich das Wort vom Schiloh, J. Mose V, JO, durch den Sinn, und zwei andere oft gelesene und überdachte Weissagungen, Micha 5, { und Zesaia 7, J4 kamen mit gleicher Macht über ihn. /Rnter dem Gewicht dieser Schriftstellen rief er aus: „G HLrr, Gott Abrahams, Zsaaks und Zakobs! Du weißt, ich bin in dieser Sache aufrichtig. Wenn Jesus der Sohn Gottes ist, so offenbare ihn mir diese Nacht und ich werde ihn als meinen Messias aufnehmen." hierauf wandte er sich zum erstenmal in seinem Leben an den bisher verachteten Nazarener und flehte ihn an: „wenn Du der Messias der Juden bist und Sünder bekehren kannst, dann bekehre mich, denn ich bin ein Sünder!" Noch kam keine Lrhörung. Line Stunde der Nacht verging nach der andern. Bald lag der einsame Mann auf den Knieen im Gebet, bald wanderte er im Zimmer rastlos auf und ab. Endlich, es war zwei, Uhr morgens, wurde es in ihm Helle. Der Geist Gottes überschattete die nach Erquickung schmachtende Seele. Der Kampf war zu Ende. Lin feuriges Dankgebet stieg zum Fimmel empor. Der erste Gedanke des Erlösten galt nun der treuen Lebensgefährtin. Er eilte in ihr Schlafzimmer und weckte sie mit dem Bekenntnis: „Frau, Frau! Ich habe den Messias gefunden!" „wen hast Du gefunden?" fragte die Erwachende. „Zesum Thristum, meinen Messias und Erretter." Aber jene war für das Gefühl des höchsten Glückes noch nicht empfänglich. Ihre Antwort bestand darin, daß sie trotz der Nachtstunde schleunigst sich ankleidete und das Haus verließ, um zu ihren in der Nähe wohnenden Eltern zu gehen. Der Gatte konnte für sie nur beten, daß ihr die Augen noch einmal geöffnet werden möchten. Auch seine beiden Kinder, einen Sohn und eine Tochter, mußte Dr. R. hergeben. Sie durften ihn nicht mehr Vater nennen, wie seine Frau ihn nicht mehr als ihren Mann ansah. Als er fünf Tage später wieder eine amtliche Reise antrat, wurde es ihm nicht gestattet, seine Familie noch einmal zu sehen. Die Briefe,

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