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Dibre Emeth · 1889-01-01 · 2 (1889) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
45 (1889)
Issue
2 (1889)
Date
1889-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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\0 nicht hier bleiben und mich sterben .sehen, wie ich bis zum letzten Augenblick meines Lebens auf meinen Heiland vertraue?" Der Arzt versuchte es, zu bleiben, brachte es jedoch nicht über sich und verließ das Zimmer wieder. Allein der Sterbende schickte ihm einen Wärter nach und ließ ihm sagen, er müsse ihn noch einmal sprechen. Widerstrebend und fest entschlossen, sich von den Worten des jungen (Christen nicht beeinflussen zu lassen, kehrte Dr. R. zurück. Der Tambour bat ihn, seine Hand zu nehmen und sagte dann: „Herr Doktor, ich habe Sie lieb, weil Sie ein Jude sind. Mein bester Freund war auch ein Jude." „wer war das?" fragte der Arzt. „Jesus Christus, zu dem ich Sie noch führen möchte, ehe ich sterbe. Vor fünf Tagen, als Siemir Arm und Bein abnahmen, betete ich zu Jesu Christo, daß er Siebekehren möchte". Wenige Minuten später entschlief der wackere Jüngling. Seine letzten Worte aber hatten das innerste Herz des jüdischen Zuhörers getroffen, dem hier zum erstenmal in seinem Leben das Evangelium eindringlich verkündigt worden war. Allerdings verfloß noch ein Jahrzehnt, bis der von dem sterbenden Tambour ausgestreute Same Frucht brachte und dessen Gebet erhört wurde. Im Lauf dieser Jahre bekämpfte Dr. R., der ursprünglich zum Rabbiner bestimint gewesen war, trotz jener guten Eindrücke wie frühermit allem Eifer die Religion, welcher Carl Coulson angehört hatte. Da lernte er im Jahre \875 aufs neue einen lebendigen Christen kennen. Eine Reise, die er als Inspektor verschiedener Hospitäler unternahm, führte ihn an einem kalten Tag im Februar auf einige Stunden nach Neu-Hork. Als er eine dortige Barbierstube betrat, überraschte ihn ein eigenartiger Anblick. An den wänden hingen schön eingerahmte Bibelsprüche und die Aufforderung: „Bitte, fluchen Sie m diesem Zimmer nicht!" Noch auffallender war es, daß der Barbiev alsbald in freundlicher, gewinnender weise mit seinem Runden übev Jesum zu reden anfing. Der jüdische Arzt konnte dem Manne nicht zürnen, ja, er hörte ihm sogar gespannt zu. Es warnhm, als stünde der junge Tambour wieder vor ihm, der einst ebenso mit ihm gesprochen hatte. Nachdem er seine Schuld bezahlt, wollte er sich auf den Bahnhof begeben. Aber der gutmütige Barbier ließ ihn nicht allein gehen,, da auf den Straßen Eis lag. Lr faßte den Arzt sanft am Arm und' geleitete ihn zum Stationsgebäude. Dort angekommen, sagte er: „Sie wundern sich gewiß, daß ich mit Ihnen über diesen mir so teuern Gegenstand so ernst geredet habe. Aber ich erkannte sofort, daß Sie ein Jude sind." Lr fügte hinzu, er fühle sich gedrungen und halte sich für verpflichtet, wo sich Gelegenheit biete, Fernstehende zu Jesu, seinem besten Freunde, zu führen. Dann versprach er dem Arzt, in den nächsten drei Monaten unaufhörlich seiner im Gebet zu gedenken. „Möge nun mein Jesus Ihnen folgen und Ihnen nicht Ruhe lassen, bis Sie sie in ihm finden!" Dr. R. dankte dem Barbier für die ihm bezeugte Teilnahme, äußerte aber, er werde wohl nie ein Christ werden. Allein schon im Eisenbahnwagen erfaßte ihn eine wunderbare Unruhe, und so schien jener Wunsch bereits in Erfüllung zu gehen.

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