Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 45 (1889)
- Issue
- 2 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. V . Nr. 2. I_:-- 45. Jahrgang. 1889. Inhalt: Der sterbende Tanibour und sein Gebet. — Jur Iudenviertcl von Marokko. ,— Allerlei Missionsnachrichten. — Enixfangsbescheinigüng. Der sterbende Tambour und sein Gebet. Unter den zahlreichen Verwundeten, welche eil: amerikanischer Stabsarzt nach der Schlacht bei Gettysburg amputieren mußte, befand sich ein blutjunger Tambour, Tarl Loulson mit Namen. Als man ihn chloroformieren wollte, widersetzte er sich. Lr war ein frommer Christ und hatte das Vertrauen zu seinem Heiland, daß dieser ihm beistehen werde, wenn man ihm Arm und Bein abnehme. Auch beit ihm angebotenen Branntwein verschmähte er. Tr wollte mit klarem Geist dem Tode entgegengehen, den er für nahe hielt.' Don Arzt, einen strenggläubigen Israeliten, rührte die Glaubenstreue des Schwerverwundeten. Tr besorgte demselben, im Gegensatz zu seiner Gewohnheit, einen Feldprediger. Ihm übergab der Soldat die Bibel, in welcher er täglich gelesen hatte, zur Beförderung an seine Mutter. Auch beauftragte er den Geistlichen, dem Lehrer einer Sonntagsschule, in welcher er einst viel Gutes gehört hatte, zu schreiben, daß er dessen Gebete und Ratschläge nicht vergessen habe und jetzt Gottes Segen auf ihn herabflehe. And nun war er bereit,, die Operation vollziehen zu lassen. Sein Vertrauen wurde nicht zu Schanden: der HTrr, an den er glaubte, stand ihm bei. ^Bei den entsetzlichen Schmerzen, die er zu erleiden hatte, vernahm man kein Stöhnen, nur den Seufzer: „D Jesus, geliebter Jesus, bleibe jetzt bei mir!" In der auf die Amputation folgenden Nacht konnte der Mann,- der sie vorgenommen hatte, nicht schlafen. Dr. Rossvall's, so hieß der jüdische Arzt, meinte immer wieder jenen Seufzer des christlichen Jünglings zu hören und seine sanften, blauen Augen zu sehen. Tr erhob sich schließlich von seinem Lager, um sich nach dem Kranken zu erkundigen. Tarl Toulson schlief süß wie ein Rind. Von einer Pflegerin erfuhr der Arzt zu seinem größten Erstaunen, daß der Kranke sich am Abend stark genug gefühlt habe, um mit christlichen Freunden, die ihn besuchten, ein Lied zu Ehren seines Erlösers zu singen:. Fünf Tage vergingen. Da ließ Tarl, der sein Ende nahen fühlte, den Stabsarzt bitten, zu ihm zu kommen. Er wollte ihm für die ihm bewiesene Güte danken, hatte aber auch noch etwas Besonderes auf dem Kerzen. „Herr Doktor", sagte er, als jener seine Bitte erfüllte, „Sie sind ein Jude und glauben -nicht' an Iesum. Aber wollen Sie