Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 12 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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per Postanweisung direkt an Herrn Geh. Kirchenrat Delitzsch, Leipzig, Nürnbergerstraße, senden. Es ist wohl nicht nötig zu bemerken, daß dieser Aufruf ohne Wissen von Professor Delitzsch verfaßt ist. Nach Besprechung mit einigen Schülern desselben entschloß ich mich um so lieber, denselben ausgehen zu lassen, als ich gewiß bin, nicht nur meinem verehrten, geliebten, väterlichen Freunde durch Förderung des von ihm als seine wichtigste Lebensarbeit geachteten hebräischen Neuen Testamentes eine Freude zu machen, sondern auch hoffen darf, daß viele der nun nach Tausenden zählenden Theologen, die als Studenten zu seinen Füßen gesessen, und viele andere, die ihm sonst für Herz und Wissenschaft Anregung verdanken, sich freuen werden, die Gelegenheit zu einem solchen Gruße dankbarer Liebe zu haben. Leipzig, 3. September 1888. W. Fab er. Unter des Mutes Schutz. (Zu 2. Mose \2, *3 u. Petri 2.) Der Ostermond stieg noch nicht hoch empor. Ein dumpfes Schweigen lastet auf dem Land, Und lautlos harret hier und dort ein Häuflein versammelt auf den Ruf zum heil'gen Fest. Da, horch, ein rascher Fußtritt vor der Thür! Ein Jüngling, atemlos und späh'nden Blicks, Hält, eh* er eintritt, inne, schaut sich um Üach Schwell' und Pfosten und ruft bangen Tons: „Ist Blut gesprengt? O Vater, sag mir schnell! Die Nacht wird dunkler und verhüllt das Zeichen, Es sei denn, daß die Angst den Blick mir trübt." — „warum so hastig, Sohn^ Cs ist gesprengt. Das Lamm Hab' gestern Abend ich geschlachtet Und streng befohlen, daß der Knecht das Blut Aufstreiche da, wo Moses es geheißen. Genügt dir das noch nicht, mein lieber Sohn?" — „O Vater! Jst's gesprengt? Ja oder nein? wie ruhig bist du, weißt du nicht, daß ich, Dein erstgeborner Sohn, in dieser Nacht Vor Tod und Leben stehe durch dies Blut, wenn Gottes Racheengel schweigend schwebt Den Todesweg durch dieses finstre Land? wie kann ich ruhn in der Unsicherheit? Nur unterm Blut des Lammes ist mein Schutz. — O Schwester, komm und hilf mir, bring ein Licht! — — Kein Blut! Ls ist kein Blut auf Schwell' und Pfosten! wo ist das Blut? O sucht es, sucht es eilends, Sonst muß ich sterben noch in dieser Nacht." — In Eile bebend suchen sie das Blut, Sie finden es, und, o, in welcher Hast Den psoxbüschel tauchen fie hinein!