Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 11 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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des Besuches bat. Der dortige jüdische Lehrer hat besondere Freude an christlichen Schriften. — Missionar Pick in Straßburg trug einmal auf der Straße eine Bibel unterm Arm, als ihm ein jüdischer Herr begegnete. Derselbe fragte ihn, was er da für ein Buch habe. Er antwortete: „Wie Sie sehen, ist es nicht groß, und doch ist es das größte und beste Buch in der Welt." „Ich bin wirklich neugierig, zu erfahren, was das für ein Buch ist", sagte der Israelit. „Nun, Sie sehen, es ist die Thorah, aber die ganze Thorah, Altes und Neues Testament." Hierauf las der Missionar einige Stellen vor, die jener mit großer Aufmerksamkeit anhörte. — Derselbe Prediger bat einen gebildeten jungen Mann, der erklärt hatte, er sei als Jude geboren und wolle Jude bleiben: „Sagen Sie mir doch, was an Ihnen noch Jude ist! Sie kennen die Thorah nicht, Sie beten nicht nach den Vorschriften des Gesetzes, Sie wissen überhaupt nichts vom Judentum, und doch behaupten Sie, ein Jude zu sein." Der Angeredete lachte und sagte, es sei wirklich so. Er nahm dann dankbar einige Traktate entgegen und fragte nach des Missionars Wohnung. — Die Predigten des Dr. Ellis in Warschau werden von zahlreichen Israeliten besucht. 22 baten um Aufnahme in die Kirche. — In Kischinew senden manche jüdische Eltern ihre Kinder in die Schule von Pastor Faltin, damit sie die Lehren des Christentums kennen lernen. Maleachi 4, 6 scheint hier in Erfüllung zu gehen. Der Sohn einer jüdischen Familie zeichnete sich durch besonderen Eifer im Bibellesen aus und redete über das Gelesene oft mit seinen Eltern. — Mehrere russische Juden empfingen bei der Beschäftigung mit dem Neuen Testament tiefe Eindrücke. Um sich ihnen wieder zn entziehen, verabredeten sie sich mit einander, es einer genauen Prüfung zu unterwerfen. Aber gegen ihre Erwartung stieg hierbei das Grundbuch der christlichen Kirche nur in ihrer Achtung. Sie stimmten schließlich in folgenden Sätzen überein: 1) Selbst die Lehren Moses und der Propheten können mit denjenigen Jesu und seiner Apostel nicht verglichen werden. 2) Die letzteren empfehlen sich nicht nur dem Gewissen, sondern auch der Vernunft. 3) Die Herzensreinheit, der echte Glaube und die Frömmigkeit der neutestamentlichen Schriftsteller spiegeln sich in der schlichten Einfachheit ihrer Schreibweise ab, was ihre Angaben und Lehren auch dann glaubwürdig macht, wenn sie von übernatürlichen Dingen oder Ereignissen reden. 4) Die Übereinstimmung der alttestamentlichen Weissagungen mit ihrer Erfüllung in Jesu macht es sehr wahrscheinlich, daß er der verheißene Messias war. Trotzdem wollten sich diese Forscher der Kirche nicht förmlich anschließen. Sie meinten, man könne innerlich ein Christ sein, ohne die Taufe zu empfangen, da es scheine, daß auch die