Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 10 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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der, welcher es zuerst bemerkte: „Er blitzt", nämlich der Morgen oder der Morgenstern, oder: „Der ganze Osthimmel hat sich gerötet". Die unterhalb der Warte stehenden Priester fragten nun: „Reicht die Röte bis nach Hebron?" Konnte diese Frage bejaht werden, so begann alsbald der Morgengottesdienst. So forderte das Gesetz scharfes Aufmerken auf das Aussehen des Himmels und pflegte dadurch den Farbensinn. Eine Übung für den letzteren waren auch die Vorschriften mit Bezug auf die Unterscheidung des Kranken vom Gesunden. Die 3. Mose 12—14 enthaltenen Kennzeichen wurden durch den Talmud verfeinert. Die blaue Farbe fehlt zwar in seiner reichen Musterkarte von Farben: die hebräische Sprache hat für sie kein eigenes Wort. Aber bekannt war sie trotzdem. So kommen blaue Farbstoffe, Purpur und Jndigoblan (griechisch: Kalalnon, im Talmud: Kalailan), vor. Die Schaufäden an den vier Enden des linnenen oder wollenen Oberkleides bestanden aus purpurblauen Wollenfäden, oder waren aus purpurblau und weiß gemischt.' Auch gab es blaue Oberkleider. 2. Mose 24, 10 wird vom Saphirblau des reinen Himmels gesprochen. Wenn die Morgendämmerung in den Morgen überging, sagte man: „Man kann purpurblau und weiß, oder purpurblau und grün unterscheiden". Das Weißwerden des Angesichts kommt im Alten Testament als Zeichen der Scham vor; im Talmud wird auch der Schamröte gedacht. Weil man durch eine Gemütserregung die frische Gesichtsfarbe verliert, heißt eine solche Erregung auch: „Schwärzung des Angesichts". Der Sonne wird rote und weiße Farbe zugeschrieben. Der Ausdruck: „weißer Tag" entspricht unserer Bezeichnung: „blauer Himmel". Nach der Haggada nahm Gott hei der Erschaffung des Menschen Erde von der Stätte des Heiligtums und von den vier Himmelsgegenden und schuf ihn „rot, schwarz und weiß". Diese drei Farben sind hiernach die Grundfarben des Menschen und die Zeichen der Menschlichkeit. Nach dem Midrasch zum 4. Buch Mose war die Fahne des Priesterstammes Levi weiß, schwarz und rot. Dieselben Farben führt bekanntlich das deutsche Reich, welchem Delitzsch am Schluß seiner Abhandlung wünscht, es möge sich „gemäß seinen Farben als Hort der Humanität bewähren, d. h. als Hort der religiös-sittlichen Anlage und Bestimmung, welche im Sinne des Sinaigesetzes und seiner Vertiefung in der Bergpredigt Band und Ziel des Brudergeschlechtes der Menschheit ist." _ Kleine jüdische Chronik. Der bayrische Staat unterstützt die dortigen jüdischen Gemeinden alljährlich mit einer Summe von 14,000 Mark. — In der Stadt Strasburg in Westpreußen herrschte bis vor kurzem noch die altjüdische Be-