Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 9 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554942-2554952--08744-2564798- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
meinen aufrichtigen Dank ab. Es ist mein Herzenswunsch, daß die Anstrengungen Großbritanniens und Preußens mehr und mehr gesegnet werden mögen." Man behauptet vielfach, die religiösen Anschauungen Friedrichs HI. seien von denjenigen seines Vaters völlig verschieden gewesen. Aber schon die Übereinstimmung beider Fürsten hinsichtlich der Judenmission liefert einen Beweis für das Gegenteil. Weitere Gegenbeweise find leicht zu erbringen. Daß der zuletzt verstorbene Kaiser die über ihn verhängte Trübsal als ein frommer Christ ansah und hinnahm, zeigt die Nachricht, daß das Lied: „Wenn der HErr ein Kreuze schickt, laßt es uns geduldig tragen!" ihm besonders teuer war. Viel Trost gewährte ihm das weitverbreitete Buch „Von der Nachfolge Christi", welches dem Thomas a Kempis zugeschrieben wird. In einem Tagebuch vom Jahre 1869 erklärt er, es mache ihn für sein ganzes Leben glücklich, daß er die Stätten durchwandert habe, an denen Jesus Christus lebte, die Er betrat; daß er die Berge und Thäler gesehen habe, auf denen Seine Blicke einst ruhten. Vor allem, fährt er fort, gelte dies vom Olberg und von Gethsemane. „Ich werde nie diesen ersten, in Jerusalem zugebrachten Abend vergessen, wo ich von der Höhe des Ölberges die Sonne untergehen sah, während sich über die Natur jene tiefe Sülle ausbreitete, die schon an jedem andern Ort feierlich ist. Hier kann sich der Geist von der Erde abwenden und sich ohne Zerstreuung den Gedanken hingeben, die das Herz jedes Christen bis in seine Tiefe bewegen, wenn er an das große Werk der Erlösung denkt, welches hier vollbracht wurde. Einige Lieblingsstellen aus den Evangelien an einem solchen Ort zu lesen, ist ein Gottesdienst, einzig in seiner Art." Nachdem der fürstliche Pilger an der Feier des heiligen Abendmahls in Jerusalem teilgenommen, drückte er den Diakonissen des dortigen deutschen Hospitals seine hohe Freude darüber aus, daß er dies Sakrament da, wo Jesus sein Erlösungswerk vollendete, habe genießen dürfen. Dann sagte er zu ihnen: „Wenn nicht in dem irdischen Jerusalem, so werden wir uns doch in dem himmlischen Wiedersehen." — Im Frühjahr 1879 hatte der Kronprinz an einem Sonntagnachmittag nach seiner Gewohnheit den von seiner Gemahlin eingerichteten Kindergottesdienst in der Kirche seines Gutes Barnstedt besucht. Nach Beendigung des Gottesdienstes, nachdem sich die Kirche von Besuchern längst entleert hatte und die Herrschaften nach dem nahen Gutshause gefahren waren, trat der Ortsgeistliche aus der Sakristei auf den Kirchhof hinaus. Seinen erstaunten Blicken bot sich hier ein ergreifendes Bild dar: Inmitten einer Schar von ungefähr 40 Kindern stand der Kronprinz, zwei Knaben auf seinen starken Armen haltend