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Dibre Emeth · 1888-01-01 · 8 (1888) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
44 (1888)
Issue
8 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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dort geübt, jeder, der für Gottes Werke in der Natur ein Auge hat, fühlt die Großartigkeit der Bilder. DaS tote Meer, die Land- Haft des Schweigens, mit seinen tief dunkelen Farben und ernste» Linien; der See Tiberias, das bsaue Auge, welches aus den braunen Wimpern der umgebenden Nachbarberge hervorleuchtet; der Berg Tabor mit seine« immergrünen Eichen und der Fernsicht hin bis zum schneebedeckten Hermon; der Brunnen in der Wüste mit der Schar lagernder Beduinen daran; die Palmengruppe in den Ruinen am Strand des mittelländischen Meeres; —- wer könnte es vergessen unter denen, die es schauten? Und doch ist es kein heiteres, es ist immer ein ernstes Bild. Auch im Schmucke des Frühlings ist dies Land nicht eine Braut, sondern die Witwe mit dem Schleier, und scheint zu sagen: „Ich bin nicht mehr, was ich war." Die Straßen verödet, viele Dörfer und Städte zerfallen oder ganz verschwunden, die Brunnen versiegt, weite Strecken, einst sorgfältig bebaut, jetzt Steingefilde «nd nur durchstreift von den Hirten mit ihren ärmlichen Heerden — so ist das Land. Es fehlt ihm etwas, und wir wissen wohl, was ihm fehlt. Es ist der Segen Gottes; der seine Hand abgewandt hat von denen, die ihn verließen. Noch schmerzlicher aber wird das Gefühl, wenn du das Volk beobachtest, welches in jenem Lande wohnt. „Wo ist die blühende christliche Kirche der ersten Jahrhunderte hingekommen? Ist sie das, was du in dem Kloster stehest, dessen Thore sich dir aufthun dort an geschichtlich merkwürdiger Stätte im einsamen Felsenthale, oder in jenem palastartigen Gebäude der Stadt, in welchem mit der Frömmigkeit der Pilger ein einträglicher Handel, getrieben wird? Ist das die alte Märtyrerkirche der ersten Liebe, jene Glaubensgemeinschaft, welche in ihren ärmlichen Gotteshäusern unverstandene Gebete in einer, längst erstorbenen Sprache murmelt, oder in ihren prächtigen Kathedralen die Bilder ihrer Heiligen küßt? Was bei uns die falsche Aufklärung, welche aus dem Leibe des Evangeliums das Herz, die Liebe eines Gottes, der geoffenbart ist im Fleisch, der in Christo war und die Welt mit sich selbst versöhnte, herausschneidet und ihm so das Leben nimmt, das ist dort im Orient die Formel, unter welcher alles erstarrt. Zur Formel ist alles geworden: der Gottesdienst der Gemeinde, das Glaubensbekenntnis der Kirche, das Leben der Christen. Wir können «ns kaum wundern, daß von solchem Christentum der Abfall zum Islam so groß war, zu jener Religion ohne Heilige, ohne Bilder, mit der einfachsten Gottesverehrung und dem kürzesten Glaubensbekenntnis. „Aber was hat erst diese Religion aus ihren Anhängern gemacht. Wie hat sich unten der Moral des Islams, die nur die

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