Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1888-01-01 · 7 (1888) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
44 (1888)
Issue
7 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2554541-2554942-2554950--08725-2564777
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

schwer übertreten und derselben keines nie gehalten haben. Und nicht nur das, wir wissen auch, daß wir es niemals werden halten können. (Ap.-Gesch. 15, 10.) Wir lehren und bekennen, daß wir von Natur im Tode liegen, so verdorben und ohnmächtig, daß wir eher das Gegenteil thun von allem, was Gott geboten hat. Das Gesetz stellt Forderungen Gottes an uns, die wir nie und nimmer erfüllen können. Wie soll es uns denn zum Tröste gereichen? Die Forderung ist unbedingt gerecht. Gott, als der Schöpfer, hat ein Recht, vom Menschen zu verlangen, daß er ihn liebe, und er hat den Menschen so erschaffen, daß er es thun konnte. Der Mensch aber hat sich und alle seine Nachkommen aus Anstiftung des Teufels durch mutwilligen Ungehorsam derselben Gaben beraubt. Also durch eigene Schuld sind wir in das Verderben und in die Schwachheit gerate«, worin uns nun das Halten des Gesetzes zur Unmöglichkeit geworden ist. Wo bleibt aber bei solcher Entdeckung der Trost? Ein Abgrund nach dem andern thut sich auf bei Betrachtung des Gesetzes, — wo bleibt denn der Trost? Zu dem allen nimmt das Gesetz noch den Schleier der Langmut und Geduld Gottes hinweg und zeigt uns, wie gräßlich unser Elend sei, durch den Hinweis auf das kommende Gericht. Der natürliche Mensch fühlt ja sein Elend nicht und sieht sich deshalb auch nicht nach Trost um. Diese Welt läuft so in ihrem Geleise, daß nur äußerst wenige etwas von eines höheren Richters Hand zu schmecken bekommen und ahnen lernen, daß sie Krieg haben mit dem, der in der Höhe thront. Die unendliche Mehrheit der Menschen bekommt während ihres Erdenlebens nicht einmal ein Gefühl davon, daß sie in Gefahr des Todes schweben. Das Gesetz erst sagt uns, wie Gott so schrecklich zürne, beides über angeborene und wirkliche Sünden und sie aus gerechtem Urteil zeitlich und ewig strafen wolle nach dem Wort, das der Apostel Gal. 3, 10 aus 5. Mos. 27, 26 anführt: „Verflucht ein jeder, der nicht bleibt in alle dem, das geschrieben stehet in dem Buch des Gesetzes, daß er es thue!" Ist das nicht entsetzlich? Verflucht von seinem Schöpfer! Jeremia sagt vom Meere, es ängstige sich, wenn der HErr es schelte, — wie muß denn uus zu Mute sei«, wenn wir das wollen hören und bedenken: Verflucht von unserem Gott! Indem aber das Gesetz solches aufdeckt, wo bleibt sein Trost? Willst du dir etwa einreden, daß eine solche Strenge bei Gott ganz undenkbar sei, und dich ins Blaue hinein fragen: „Ist Gott nicht auch barmherzig?" — so verweist dich das Gesetz auf eine Barmherzigkeit, welche mit seiner Gerechtigkeit in vollkommener

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.