Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 6 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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zwischen der Drohung und dem Eintreffen des Gedrohten ein innerer Zusammenhang bestehen? — In den Sprüchen der Väter (Aboth V, 9) wird unter den Hauptsünden, welche Galuth — die Vertreibung aus dem Vaterlande — nach sich ziehen, auch Blutvergießen genannt. Das unschuldige Blut, womit König Manasse Jerusalem von einem Ende bis zum andern anfüllte, machte das Maß der Sünden voll, deren Strafe das babylonische Exil war. Aber dieses Exil währte doch nur nach runder Jahrziffer 70 Jahre, während jetzt das jüdische Volk nun schon seit 1800 Jahren des Landes seiner Väter verlustig gegangen ist. Und Loch ist dieses seit Vespasian und Titus unter fremder Herrschaft stehende Land ihm zu ewigem Besitz verheißen, ja zugeschworen. Wie ist das zu erklären? Es ist nur zweierlei möglich. Entweder gehört jene Verheißung, welche fich durch alle Teile des Alten Testaments hindurchzieht, dem Bereiche des Mythus an, oder das Verhalten Israels seit nun 1800 Jahren macht es Gott unmöglich, sie wieder in den verheißungsgemäßen Besitz des Verlorenen zu setzen. Die Prophetie hat diese lange Vaterlandslosigkeit vorausgeschaut. Wenn die in alle Welt Verschlagenen die Ursache erkennen und in sich gehen werden, dann wird ihnen, wie 5. Mose 30, 1—8 verheißen ist, das Land der Väter zurückgegeben werden. Sind denn aber die synagogalen Gebete, besonders die in den „Jomim Noraim“ (von Neujahr bis zum Versöhnungstag) erschallenden, nicht voll tief aufseufzender Sündenbekenntnisse und flehentlicher Anrufung der göttlichen Gnade? Es ist wahr, aber die jahrtausendlange Dauer des Exils ist unerklärlich ohne die Annahme, daß auf dem armen Volke trotz der Mark und Bein erschütternden Rufe zu seinem Gott der Bann einer. unerkannten Sünde lastet, welche ih» verhindert, ihrem Elende abzuhelfen. -_ Das Vorstehende ist ein Ausschnitt aus der neuesten Schrift von Professor Franz Delitzsch in Leipzig. Dieselbe führt den Titel: „Ernste Fragen an die Gebildeten jüdischer Religion", und ist vom Centralbureau der Instituta Judaica (SB. Faber), Leipzig, Thalstraße 26, aber auch von jeder größeren Buchhandlung für 1 Mark zu beziehen. Der ehrwürdige Verfasser sucht, wie er selber im Eingang erklärt, seine jüdischen Leser zu religiösem Nachdenken zu veranlassen, indem er sich in deren Lage und Denkweise versetzt, von gemeinsamen Voraussetzungen ausgeht und zwingende Beweise vorbringt. Was er auf den 72 Seiten seines Buches bietet, ist die Frucht 50jähriger Beschäftigung mit der jüdischen Litteratur und der Mission. Möge er denn mit diesem