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Dibre Emeth · 1888-01-01 · 6 (1888) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
44 (1888)
Issue
6 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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zermalmt von wegen unserer Missethaten, die Strafe uns zum Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ward uns Heilung." Wer ist dieser Durchbohrte? Doch nicht Israel?! Denn Israel als Volk beichtet ja hier, daß es ihn, der ihnen zu gut Leiden bis zum Tode auf sich nahm, für einen Gottgestraften hielt, wie Hiob von seinen Freunden wegen seiner absonderlich großen Leiden für einen ausnehmend großen Sünder gehalten ward. Wenn der Knecht Gottes, der von seinem Volk verkannte, die Personifikation einer Mehrheit ist, so kann er doch nur Personifikation derer sein, welche an dem Heil ihres Volkes arbeiteten und diesem Berufe ihr Leben zum Opfer brachten. Ein solcher Knecht Gottes war Jeremia, der, wie glaubwürdig berichtet wird, in Ägypten den Märtyrertod von seinen eigenen Volksgenossen erlitten hat. Aber dieser Jeremia, und wenn es andere seinesgleichen gab, war doch nur ein Vorbild des unvergleichlich großen Dulders, den der Eifer um das Haus Gottes verzehrte, und der fürbittend für sein verblendetes Volk am Kreuze seinen Geist aufgab. Als Pilatus ihn freigeben wollte, aber daran gewaltsam verhindert ward, da nahm die fanatisierte Volksmenge die ganze Verantwortung auf sich, indem sie ihm . zuschrie: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!" (Matth. 27, 25). Ist es doch vielleicht diese Blutschuld, die dereinst vom jüdischen Volke als eine seinem Herzen und Gewissen allzuschwere Last empfunden iverden wird, die Nationalsünde, für die es, zum Glauben gelangt, Vergebung erflehen und finden wird? — Eins der letzten Worte Jesu an sein Volk, als er aus der Öffentlichkeit zurücktrat, lautete: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigest, die zu dir gesandt sind, wie oft habe ich deine Kinder versammeln tvollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel, und ihr ■— habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden, denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprechet: Gelobet sei, der da kommt im Namen des HErrn!" (Matth. 23, 37 ff.). Brüder aus Israel, ihr kennt ja doch die Ansicht eurer Altvordern: „Der Fluch eines Weisen, selbst wenn mit Unrecht ausgesprochen, trifft ein" (Berachoth 56a). Diese Ansicht ist überspannt, denn ein unberechtigter Fluch, wenn auch von denk größten Schriftgelehrten ausgesprochen, ist in den Wind geredet. Aber daß das Drohwort aus dem Munde eines in Gott lebenden und aus der Gemeinschaft mit Gott heraus redenden Menschen nicht wirkungslos ist, das bestätigt die Erfahrung. Und da jener Drohung Jesu wirklich zwei Jahrzente später die Einäscherung des Tempels und die Auflösung des jüdischen Staates gefolgt ist, sollte da nicht

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