Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 6 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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„Ich werde ausgießen — lesen wir im Buche Sacharja 12, 10—13, 1 — über das Haus Davids und über die Bewohner Jerusalems den Geist der Gnade und des Flehens um Gnade, und sie werden aufblicken zu mir, den sie durchstochen haben, und werden klagen um ihn gleich der Klage um den Einzigen und bitterlich weinen um ihn, wie man bitterlich weint um den Erstgeborenen. An jenem Tage wird groß werden das Klagen in Jerusalem gleich dem Klagen in Hadadrimmon im Blachfelde Megiddo. Und wehklagen wird das Land, alle Geschlechter besonders, das Geschlecht Davids besonders und ihre Frauen besonders, das Geschlecht des Hauses Nathan besonders und ihre Frauen besonders, das Geschlecht des Hauses Levi besonders und ihre Frauen besonders, das Geschlecht des Simei besonders und ihre Frauen besonders — alle übrig gebliebenen Geschlechter, jedes Geschlecht besonders und ihre Frauen besonders. An jenem Tage wird ein Quell geöffnet sein dem Hause Davids und den Bewohnern Jerusalems für Sünde und Unreinigkeit." Es ist eine Nationaltrauer wie einst um den geliebten König Josia, den auf dem Schlachtfelde tödlich Getroffenen. Das Königshaus in seiner Hauptlinie und seinen Seitenlinien (David, Nathan), das Priesterhaus in seiner Hauptlinie und seinen Seitenlinien (Levi, Simei) werden trauern und nicht allein diese, sondern alle in jener künftigen Zeit der großen Buße Israels noch übrigen Geschlechter. Die besondere Hervorhebung der Frauen will sagen, daß es sich nicht bloß um eine nationalpolitische, sondern um eine das Verhältnis zu Gott betreffende Sache handelt, in welcher für Weib und Mann Pflichten und Rechte gleich find. Wer ist jener Durchbohrte, dessen Durchbohrung Gott der HErr als einen ihm selbst angethanen Frevel ansieht? „Den sie durchstochen haben" — man könnte meinen, daß nicht seine Volksgenossen, sondern die Heiden als ihn Durchbohrende gemeint seien. Aber im Buche Jesaia hören wir, daß der unschuldige Knecht Gottes von seinem eigenen Volke, für das er sich opferte, verfolgt ward. „Meinen Rücken — sagt er 50, 6 — hielt ich Schlagenden dar und meine Backen Raufenden, mein Angesicht verhüllt' ich nicht vor Beschimpfungen und Speichel." Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Aber noch wird es dahin kommen, daß sie den Verkannten, ja tödlich Gehaßten und Verfolgten, als ihren Heiland erkennen. 53, 4. 5: „Fürwahr, unsere Krankheiten hat er getragen, und unsere Schmerzen hat er sich aufgeladen, wir aber achteten ihn für einen von Strafgeschick Betroffenen, einen Geschlagenen Gottes und mit Leiden Belegten, während er doch durchbohrt war von wegen unserer Frevel,