Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 4 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Testamentmit den Psalmen und steckt es ihm heimlich in den Ranzen. Der Vater aber kauft ein Pfund Tabak und eine große Wurst und öffnet den Ranzen, um fein Geschenk einzupacken. Wie er darin etwas in Papier eingewickelt findet, öffnet er es, sieht, was es ist und gerät in solchen Zorn, daß er das Packet an die Wand wirft. Tiefbetrübt hebt es die Mutter auf, gerade wie der Sohn zum letzten Abschied ins Zimmer tritt. Die Trommel ruft, und die Eltern begleiten den Jüngling zum Depot. Hier kauft der Vater geschwind noch ein Glas Bier, es dem-Sohne zu reichen, und ehe er den Abschiedstrunk herbringt, hat die Mutter dem Soldaten das Neue Testament zugeschoben, das dieser eiligst in seiner Brusttasche unterbringt. Der Abschied ist vorbei, die Hin- und Hermärsche beginnen, das Testament aber bleibt, kaum hie und da gelesen, gewöhnlich in der Brusttasche. Da kommt es zu den hitzigen Schlachten um Belfort, und hier wirft den Jüngling eine Kugel um. Doch siehe da, er ist kaum verwundet, schon nach zwei Tagen kann er wieder mit den andern ziehen. Die Kugel hatte einen Knopf des Waffenrocks und die Weste durchbohrt und im Neuen Testament die Evangelien und Episteln durchschlagen, bis sie an dem Vers Jak. 1, 12 stille stehen mußte. Da war zu lesen: „Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die Ihn lieben." Der Jüngling war tief gerührt. Er schrieb den Vorfall an seinen Vater, und auf diesen machte derselbe einen solchen Eindruck, daß er gleich am nächsten Sonntag seine Frau in die Kirche begleitete. Die Nachbarn aber, die den Ungläubigen kannten, sagten hoch erstaunt, da habe Gott freilich ein Wunder gethan. (Aus dem Calwer Traktat „Israel in der Zerstreuung".) Marmrmg. Rüge nie der Ahnen Fehler in der Enkel Gegenwart! In des proselyten Beisein sei im Urteil nicht zu hart Über seines Volks Gebrechen! Sei dein Tadel noch so fein: Schon ein leiser Tadel schneidet tief, gar tief ins Fleisch ihm ein. Üb' dich sonst auch nicht im Tadeln! willst du tadeln, tad'le dich! Willst du loben, lob' den Schöpfer! Bess're jeder nur an sich! (Aus: H. Bloch, Omri Jnschi. Die 107 orientalischen Bolkssprüche und Bolkssagen, die als solche im Babylonischen Talmud beiläufig erwähnt werden. Breslau, 1884. S. 59.)