Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 4 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Merlei Mtfstottsttachrtchlett. 1. Ein jüdischer Uhrmachergehilfe in Kischinew mußte einer Augenkrankheit halber seine Arbeit einstellen. Sein Prinzipal aber, der ihm volles Vertrauen schenkte, gab ihm Uhren und andere wertvolle Dinge, daß er als Reisender damit handele. In einem Marktflecken zog ein lärmender Auflauf seine Aufmerksamkeit auf sich. Ein Jude stand in der Mitte und hielt ein kleines Buch empor, von welchem zerrissene Blätter herabhingen, und zwei Männer standen sich heftig streitend gegenüber. Der eine schrie: „Das Buch der Gojim zerreißen!" Und: „Nicht zerreißen!" schrie der andere. Der junge Uhrmacher drängte sich hindurch, und indem er rief: „Wenn Ihr nicht wißt, was Ihr mit dem Buch anfangen wollt, so gebt es doch mir!" riß er es an sich und ging davon, ohne daß die Verblüfften es ihm wehrten. In ruhiger Abendstunde sah er sich seine Beute näher an: es war das hebräische Neue Testament. Er Hatte von dem Buche noch nie gehört, geschweige es gesehen. Es trug den Stempel Kischinew. Dorthin zurückgekehrt, war er von dem wundersamen Buche, welches ihm den Einblick in eine unbekannte, neue Welt eröffnete, bereits so gefesselt, daß er sich statt des zerrissenen Exemplars ein neues verschaffte. Später ging der junge Mann in ein Predigerseminar, um sich dort für den Dienst am Evangelium ausbilden zu lassen. (Aus dem „Ölblatt" mitgeteilt v. C. Kl.) 2. Bon der hohen Bedeutung der Proselytenanstalt des Predigers Bachert in Wandsbeck bei Hamburg zeugt die große Anzahl tüchtiger junger Leute, die aus derselben hervorgegangen ist. Einer ist ordinierter Pastor, zwei arbeiten als Kolporteure, vier als Missionare, ebensoviele als Lehrer. Andere haben den Kaufmannsstand gewählt und sind in Stellung. Noch andere verdienen ihr Brot als Handwerker. Gegenwärtig studieren acht Zöglinge der Anstalt Theologie, einer Medizin. Wir empfehlen das Werk der Unterstützung aller Freunde Israels. — Am 17. Oktober v. I. hielt der bekannte schottische Prediger vr. Somerville in Prag einen Vortrag für die dortigen Israeliten. Sein Thema war: „Was die Christenheit den Juden schuldet." Etwa 5—600 Personen, fast nur Männer und besonders viele Juden, nahmen an der Versammlung teil, die erst nach Überwindung vieler Schwierigkeiten zustande kam. Der Schluß der Rede wurde von den Zuhörern mit wiederholten Beifallsäußerungen ausgenommen. Mitte Dezember sprach Dr. S. ebenfalls unter starker Beteiligung von jüdischer Seite in Budapest. — Am 2. November trat in Paris ein Kreis von Freunden Israels zusammen, der der Missionsarbeit unter den 80 000 Israeliten Frankreichs (50000 leben allein in Paris), zu denen weitere 48000 in Algier kommen, eine größere Ausdehnung zu geben wünscht. Am 13. Dezember beschloß der Verein, sich in dieser Angelegenheit mit der Pariser Missionsgesellschaft in Verbindung zu setzen. — Am 29. und 30. November tagte die bischöflichmethodistische Predigerversammlung zu Galena, Jlls., die zugleich eine Judenmissionsgesellschaft bildet. Bezüglich der Judenmission wurden folgende Beschlüsse gefaßt: „1. Wir, die Methodistenprediger des Galena- Distrikts, N. W. deutsche Konferenz, in unserer Eigenschaft als Judenmissionsgesellschaft freuen uns dankbaren Herzens gegen Gott über die von Herrn Prof. vr. Franz Delitzsch hergestellte Übersetzung des Neuen -Testamentes in hebräischer Sprache, die große Verbreitung derselben und den Segen, den es schon gestiftet hat. Der Herr segne fernerhin dieses Buch und ebenso dessen Übersetzer! 2. Wir bieten den verschiedenen Juden-