Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 3 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 zwar jetzt von deinem Angesicht, aber nicht gestrichen aus deinem Regierungsplan, — dies Volk, über dem dein Blut, du Gottes¬ und Menschensohn, das du am Kreuz für uns vergossen hast, zum Fluch wurde, aber — zum Segen werden soll, — ja, zum Segen werden soll! Ach, liebster Heiland, wann kommt deine Stunde? Wann rufst du auch dem alten Volk zum Bunde? Wann wird die Decke Mosis weggenommen? Wann wirst du kommen? Dein Blut, das sie auf ihre See? genommen, O laß es ihnen noch zum Segen kommen! Dein an dem Kreuz für sie geschehnes Beten Müss sie vertreten! Ja, du hast damals gerade auch für sie gebetet dort am Kreuz. Und wir, Herr, wir beten jetzt auch für sie zu dir, wir rufen's zu dir empor, wie einst unsre Väter sangen in der ersten Zeit unserer Brüdergemeine: Herr, auf den so viele Juden hoffen, Da ihr Wünschen doch längst eingetroffen! Denn du bist kommen Und hast unser Fleisch an dich genommen. Wenn dich doch das arme Volk erkennte Und dich seinen Herrn und Heiland nennte! Die armen Seelen Dürften sich gewiß nicht länger quälen. Nimm die Decke doch von ihren Äugen, . Daß sie dich im Geist zu sehen taugen, Sich dir ergeben Und in deinem Tod und Leiden leben! Herr, erhöre doch der armen Deinen Sehnliches Bitten, Seufzen, Flehn und Weinen Für dies Geschlechte Und brings bald nach unserm Wunsch zurechte! Wir sind still und warten drauf mit Freuden. Du, der Gott der Juden und der Heiden, Kennst alle Herzen. Mache sie zum Lohne deiner Schmerzen! Uns aber, Herr Jesu Christe, die wir deinen Namen tragen und nach dir uns Christen nennen, — o, uns hilf, daß wir eben nicht nur Christen heißen, sondern Christen sind in der That und Wahrheit. — O wenn wir's mehr wären, wenn wir's denen, mit denen wir zusammen kommen, mehr zeigten, welche Seligkeit es ist und welchen Frieden es bringt, dich, Herr Jesu Christe, zu kennen und zu besitzen, — so würden sie auch mehr Lust bekommen, Christen zu werden. Aber wir machen deinem Namen so viel Schande. O erbarme dich unser, Herr, Herr!