Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 2 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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erdigen, da R., obwohl ungetanst, im Herzen Christ gewesen sei. 1 So erfolgte denn die Bestattung auf dem Gottesacker auf dem Berge Zion. Zahlreiche Juden fanden sich bei dieser Feierlichkeit ein. Manche hörten auch die Rede an, die am Grabe gehalten wurde. 2. Ungefähr zu derselben Zeit erhielt Missionar Mühlenbruch in Smyrna aus Konstantinopel folgenden Brief eines früher daselbst von ihm unterrichteten jungen Israeliten: „Wahrscheinlich haben Sie jene Abende nicht vergessen, die wir mit einander zubrachten. Sie bemühten sich damals mich von der Unwissenheit des Unglaubens zu befreien und auf den Weg zu bringen, welcher zur Erlösung führt durch den Messias Israels. Mein Geist war in jener Zeit. nicht reif und meine Aufmerksamkeit auf andre Dinge gerichtet. Aber wie man zu sagen pflegt: „Schlägt man beständig aufs Eisen, so wird ein Gerät daraus" — so machten Ihre Worte, Ihr Rat, Ihre dringende Aufforderung zu ernstem Lesen der heil. Schrift einen Eindruck auf mein schwaches Herz, ohne daß ich es merkte. Als ich Sie verließ, versprach ich Ihnen, mich mit der Sache näher zu beschäftigen, wenn ich mehr Ruhe haben und fähiger sein würde, geistliche Dinge zu verstehen. „Besser spät als nie", sagt ein Sprichwort. Ich meine, ich habe mein Versprechen gehalten. Nach Ihrer Abreise nach Smyrna wurde ich nach Rodosto (einer kleinen Stadt am Marmorameer) an die jüdische Schule berufen. Um die Gelegenheit zum Broterwerb nicht zu verlieren, reiste ich eilends dorthin. Ich blieb in R. 15 Monate und dachte in dieser Zeit oft an das Heil meiner Seele. Ich fuhr fort die Bibel zu lesen und schloß mich hin und wieder in mein Zimmer ein, um Gott zu bitten, daß er mich durch seinen Geist erleuchte. Wasfertropfen durchdringen endlich den härtesten Stein. Mein Herz wurde mehr und mehr erregt. Mein einziger Wunsch war, nach den Vorschriften und dem Beispiel des Messias zu leben. Es beunruhigte mich, daß ich Jesum so spät als den Messias und meinen Erlöser erkannt hatte und nicht imstande gewesen war, während der ganzen Zeit des Unterrichts in der Schule ein Wort darüber zu äußern. Ich schrieb nun an einen Freund und machte ihn . mit meinem Schmerz bekannt. Er riet mir nach Konstantinopel zu kommen, damit wir mit einander die Wahrheit erforschen könnten. Aber die Sorge ums tägliche Brot bestimmte mich, meine Stellung beizubehalten. Welch ein Narr war ich! Ich zeigte, daß mir der Glaube fehlte. Ich war so stumpfsinnig und konnte mir nicht denken, daß. Er, der dem kleinsten Tier seine Nahrung geben kann, auch für mich sorgen ' würde, wenn ich mit dem Glauben eines Kindes käme, um mich unter den schützenden Arm des Vaters zu verbergen. Ich war