Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 1 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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willig gebracht worden ist, vermag es denn auch aufzuwiegen, was eine ganze Menschheit an Schuld gehäuft und durch Beleidigungen der Majestät des großen Gottes gefrevelt hat? Denn es kommt bei aller Reinheit und Willigkeit des Opfers doch immer noch sehr darauf an, wer es denn ist, der das Opfer gebracht hat, welcher Wert nach seiner Natur und seiner Stellung unter allen Wesen, die es giebt, demselben zukommt. Auch in dieser Hinsicht fehlte offenbar unendlich viel, daß die Tieropfer des alten Bundes zureichend gewesen wären. Es fehlte zunächst so viel, da eine unsterbliche, zur Gottebcnbildlichkeit geschaffene Menschenseele die vergängliche Existenz eines Tieres unendlich übertrifft. Fiir"Menschen konute nur ein Mensch als Versöhner eintreten. — Aber ferner: reichte es denn aus, daß solcher Mensch sündlos und zum Opfertode bereit war, wenn er im übrigen nur ein Mensch unter vielen war? Konnte denn die göttliche Gerechtigkeit durch seinen Gehorsam und seine Bestrafung sich entschädigt und zu Ehren gebracht ansehen für den Ungehorsam all' der übrigen? Oder — um wieder auf das Opfergesetz zurückzukommen — war denn eines einzelnen Menschen Leben, wenn es durch Vergießung seines Blutes'dahingegeben wurde, fähig, die Frevel seines ganzen Geschlechts sühnend zuzudecken? Wir erkennen: nein, ein Mensch mußte der Versöhner sein, doch aber zugleich auch mehr als ein Mensch; er mußte eine so erhabene Person sein, daß er an innerlichem, wesentlichem Wert die ganze Menschheit vor Gott aufzuwiegen und zu vertreten vermochte, um hernach dann auch zugleich nach. seiner Auferstehung als ein zweiter Stammvater das ganze Geschlecht aus sich heraus in ein neues Leben hinein erzeugen zu können. Nun siehe, auch in diesem letzten Punkte erweist sich Jesus von Nazareth als den rechten einigen Versöhner. Unser Text hebt auch hier das Ausschlaggebende hervor: „Er hat sich selbst ohne allen Wandel durch den heiligen Geist", oder nach besserer Lesart: „durch ewigen Geist Gott geopfert." Indem Jesu Blut auf dem Altar seines Kreuzes floß, hat nicht etwa bloß ein kreatürlicher, menschlicher Geist, sondern ein unerschaffner, ewiger Geist sich in Leid und Todespein dahingegeben, ein gottmenschliches Leben ist aus freier unaussprechlicher Liebe hier sühnend zwischen Gott und die Menschheit mitten eingetreten. (Schluß folgt.) Kleine Mische Chronik. Die Rabbiner-Versammlung, welche im Juli 1887 in Breslau tagte, hat folgenden vom Vorstand des „Rabbiner-Verbandes in Deutschland" gestellten Antrag einstimmig angenommen: „In Erwägung der außerordentlichen Wichtigkeit, welche der Talmud für die Gestaltung des