Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 1 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Lebens viele Jahrhunderte hindurch gehabt hat und noch heute besitzt; in Erwägung der Verkennung und der vielfachen Angriffe, welche der Talmud infolge der Eigentümlichkeiten seiner Komposition und infolge seiner vielfach rätselhaften Ausdrucksweise erfährt; in Erwägung ferner, daß der Talmud ein glänzendes Denkmal jüdischen Geistes und wert ist, von der modernen Welt studiert zu werden, beschließt der Rabbiner- Verband, durch geeignete Kräfte in seiner Mitte und mit Hinzuziehung von Gelehrten außerhalb des Verbandes ein eneyklopädisches Werk anzulegen, in welchem der Inhalt des Talmud nach allen wissenschaftlichen Richtungen, besonders aber nach seiner ethischen Seite, klargelegt wird." — Der jüdische Verein „Bne Brith" in Berlin hat den Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt, die 600 Plätze erhalten soll. — Bisher galt als der älteste^ jüdische Grabstein in Deutschland ein solcher auf dem jüdischen Friedhof in Worms, welcher die Jahreszahl 4660 d. i. 900 nach Christo trägt. Durch einen Zufall ist nun ein älterer entdeckt worden. Bei Aahlbach, einem Dorf in der Nähe von Mainz, bemerkte man einen als Übergang über einen Bach dienenden Stein mit hebräischen Schristzeichen. Nach Säuberung desselben stellte Rabbiner Dr. M. Lehmann Inschrift und Jahreszahl fest, wonach derselbe aus dem Jahre 4566 gleich 806 n. Chr. herrührt. Der Stein wurde in das städtische Museum in Mainz geschafft. Er soll noch einer näheren Prüfung unterzogen werden. — Nach der letzten Volkszählung beträgt die jüdische Bevölkerung Ungarns 638,314 Seelen oder 41/2 °/o der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der in Budapest studierenden israelitischen Jünglinge ist jedoch achtmal größer als hiernach zu erwarten wäre. Sie bilden 33 % der Gesamtzahl der Studenten dieser Universität. — Beim Beginn des 19. Jahrhunderts war es den Juden bei Todesstrafe verboten, sich in Lissabon niederzulassen. Jetzt wohnen in der Hauptstadt Portugals etwa 300, zum größten Teil aus Marokko und Gibraltar, zum kleineren aus Frankreich und Deutschland stammende Israeliten. In 3 Synagogen halten sie ihre Gottesdienste ab. Ihre bürgerliche Stellung ist noch eine vielfach beschränkte. — In Indien befinden sich nach der neuesten Zählung 18935 Juden, und zwar 1600 weiße Juden in Kalkutta, Bombay, Cochin und Singapore, 2350 schwarze Juden und 15000 Bene Israel. Zur Statistik. Der „Zeitschrift des Königl. preuß. Stat. Bureaus" zufolge fanden in Preußen während des Jahres 1886 231588 Eheschließungen statt. Dem Religionsbekenntnis nach waren unter den eheschließenden Männern 1.50 347 evangelische, von denen 142 207 evangelische Frauen, 7932 dagegen katholische, 116 sonstige christliche und 92 jüdische Frauen heirateten. Katholische Männer heirateten 78 303, darunter 69 211 katholische, 9058 evangelische, 11 sonstige christliche und 23 jüdische Frauen. Sonstige christliche 'Männer heirateten 388, darunter 150 evangelische, 14. katholische und 224 sonstige christliche Frauen. Endlich heirateten 2550 jüdische Männer, von denen 2397 jüdische, 125 evangelische, 27 katholische Frauen und 1 eine sonstige christliche Frau nahmen. Es befanden sich also unter den 231588 Ehen 214,039 reine und 17 549 Mischehen. Dies Blatt erscheint zweimonatlich in zwei halben Bogen. — Preis des Jahrgangs: 60 Pfennig. — Bestellungen nimmt an der Herausgeber: Pastor Becker in Breslau, Brüderstraße 3k, II. — In Kommission: Carl Dülfer's Verlag in Breslau. Druck vvu Carl Dülfer. Breslau, Palmstraße 5.