Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 1 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Opfer daran, daß es vollgiltig wäre? Welche Bedingung, die die göttliche Gerechtigkeit stellen mußte, ist hier zu vermissen? — D'ie Schriftstelle, die wir im Anfang verlesen haben, Hebr. 9, 11—14, hebt es vielmehr mit Recht hervor, daß hier alle Schatten alttestamentlicher Opfer ihren wahren Körper, alle Vorbilder ihr Urbild, alle Weissagungen ihre ewig giltige Erfüllung gefunden haben. „Denn so der Ochsen und der Böcke Blut und die Asche von der Kuh, gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit: wie vielmehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Wandel durch den heiligen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken!" Hier ist ausdrücklich jenes Dreifache betont, wodurch das Opfer Christi alle Tieropfer überragte und damit fähig gewesen ist, die endgiltige Versöhnung zu vollbringen. „Ohne Wandel", d. h. rein und fehllos, waren ja auch die Opfertiere. Aber was war es für eine Fehllosigkeit? Doch eine rein äußerliche nur, wie eben eine solche bei dem Tiere, das unfrei ist, das überhaupt nicht sündigen kann, auch allein nur zu finden ist. Für die Menschen, die mit Bewußtsein und Freiheit gesündigt hatten, konnte nur einer eintreten, der mit Bewußtsein und Freiheit sich von aller Sünde rein erhalten hatte. Nun wohlan, diese innerliche, sittliche Fehllosigkeit, bewiesen und bewahrt in allen Kämpfen und auch in den äußersten Anfechtungen, — Jesus hatte sie, er unter allen vom Weibe Geborenen allein! Das andre, wodurch sein Opfer die einstigen himmelhoch überragte, war die Freiwilligkeit, daß er „sich selbst" opferte. Auch das Lamm des alttestamentlichen Opfers ließ sich ja still und willig zur Schlachtung führen. Aber worauf beruhte das? Doch nur auf seiner Unkenntnis der drohenden Todesgefahr, wie andererseits auf der ihm anerschaffnen sanften, lenksamen Natur, Das stumme Sterben solcher Tiere konnte wohl als Vorbild gelten, aber irgend innerlich wertvoll war es nicht. Jesus sah den Tod mit allen seinen Schrecken klar voraus, dennoch entschloß er sich dazu. Niemand nahm sein Leben von ihm, sondern er ließ es von ihm selber. Es war kein Priester da, der ihn zum Altar führte, er selbst, ohne Zwang, wurde Priester und Opfer zugleich. So erst kam es zu jenem innersten Nerv des Versöhnungsopfers, da das Opferlamm selbst die Strafgerechtigkeit Gottes, die solche Sühne fordern mußte, bei sich erwog, anerkannte, durch schweigendes Erdulden ehrte und also in freiwilliger Stellvertretung für die Sünder bis zu ihrem Ziel und Ende sich auswirken ließ. Nun handelt sich's nur noch um die eine Frage: Dieses Opfer, welches „ohne allen Wandel" und von „ihm selbst", also