Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 1 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wohnen und mit ihnen Gemeinschaft haben wollte. Aber waS Verordneteer sofort damit zugleich? Es durfte kein Israelit, weder einzeln noch in der Gesamtheit des Volkes, wirklich zu ihm herzunahen, ehe nicht immer erst eins geschehen war: ehe nicht Blut vergossen war und sich als deckender Schutz zwischen den heiligen Gott und den Sünder gelegt hatte. Erst wenn dies Blut der Opfertiere an dem Altar oder am Versöhnungstage an der Bundeslade selbst Gott nahe gebracht war, war Israel mit seinen Opfern und Gebeten angenehm und wohlgefällig vor Gott. Warum es aber so des Blutes als Sühnmittels bedürfe, das ward ihm auchgesagt: weil in dem Blute das Leben ist (3. Mose 17, 11)! Jede Blutvergießung beim Opfer bedeutete also die Dahingabe eines Lebens für den Opfernden, welches seine Sünden zudeckte und ihn vor dem Entbrennen des gerechten Zornes Jehovahs schützte. So hatte denn Gott durch diese Stiftung, durch die Verordnung der Blutvergießung nicht nur am Jom-Kippur, sondern bei jedem gottesdienstlichen Herzunahen, in deutlicher und unvergeßlicher Weise den Grundsatz hingestellt, daß Bund und Gemeinschaft mit ihm nur möglich sei durch die dazwischentretende Hingabe eines Lebens als Sühne für die Sünde der Menschen. Was für ein Leben allein die Sühne bewirken könne, das lag zuvörderst in der Bestimmung ausgesprochen, daß nur levitisch reine Tiere und unter diesen nur fehllose und jugendkräftige geopfert werden durften. Darnach stand es von vornherein fest, daß allein ei'n reines, sünd- und schuldloses Leben uns aus Gottes Zorngericht erretten könne. Was den inneren Wert des von Gott zu fordernden Sühnopfers betrifft, so ließ in dieser Beziehung das Gesetz wenigstens soviel deutlich erkennen, daß das Leben der Tiere, und würde man deren auch viel tausend mal tausend opfern, schlechthin unzureichend sei. Es war dies unmißverständlich durch die fortwährende Wiederholung und die massenhafte Häufung der Opfer angedeutet. Israel kam eben, trotzdem es in seinem gottgestifteten Opferdienst eine Sühn- und Heilsanstalt besaß, doch in derselben nie wirklich zur Ruhe, sondern blieb, täglich von neuem opfernd, täglich zu dem kaum getrockneten Blut neues Blut hinzufügend, gleichsam in beständiger Hast und Sorge, daß nur auch wirklich die Sünde zugedeckt und der Zorn beschwichtigt sei. Die freudige Gewißheit, die Zuversicht dauernder Versöhnung fehlte gänzlich. Aber hatte Jehovah seinem Volk nur gezeigt auf diese Weise, welches Opfer ihm noch nicht genügt? Hatte er nicht auch bereits angedeutet, welches das vollgiltige sein werde? O, es gab "'ja in Israel noch etwas mehr als nur den Gottesdienst! Es gab auch eine Prophetie, eine Kette von Weissagungen, die dem Israeliten