Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 44 (1888)
- Issue
- 1 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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selben er sein Kleinod, seinen geliebten Sohn würde geboren werden lassen: hättest du auch nur im entferntesten an jenen elenden Stall in dem kleinen Bethlehem gedacht? So stoße dich denn auch am Versöhnungstage nicht daran, daß er selbst, der Versöhner, in solcher furchtbaren, abschreckenden Gestalt dir vor die Augen tritt, so entäußert und erniedrigt bis zum Tode, so unter die Übelthätergerechnet, das Haupt, der Leib, alle Glieder voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn! Erkenne vielmehr mit dem Auge des Geistes, daß diese seine Schwachheit dennoch Kraft ist und diese seine Niedrigkeit dennoch Hoheit, dies Unterliegen dennoch Sieg, diese Schmach und Unehre dennoch Herrlichkeit! Ja, dies verachtete Kreuz auf Golgatha ist dennoch in den Augen Gottes und seiner Heiligen von einem Glanz, von einer Klarheit umflossen, gegen welche aller Welt Pracht und Schimmer in ein reines Nichts zerfließt. Es steht da für alle Ewigkeit als der Triumph der Liebe, als das Denkmal göttlichen Erbarmens, als das Panier, in welchem du und ich und alle Völker allein ihre Rettung finden. O gehe nicht an ihm vorüber, sondern schaue gläubig zu ihm auf und laß Jesum den Gekreuzigten auch dein Lied, deinen Preis, deinen Versöhner werden! - -II. Doch du fragst: „Wer giebt mir Bürgschaft, daß er's wirklich ist, daß ich ganz gewiß in ihm Erledigung von allen Sünden finde?" Nun wohlan, wir sind bereit zur Verantwortung jedermann, welcher Grund fordert der Hoffnung, die in uns ist. Siehe, auf die Frage,, was uns mit Gott versöhne, können wir nur von einer Seite her Aufschluß erwarten. Nicht von Menschen her und von ihrer Weisheit. In himmlischen Dingen sind sie blind. Höchstens haben sie entfernte Ahnungen der Wahrheit. Solche liegen in betreff der Versöhnung auch wirklich vor in den Büßungen und Kasteiungen wie in den Sühnopfern der Heiden. Denn sie bezeugen dadurch, daß es allerdings eines Opfers, einer Buße und Bezahlung bedarf, wenn zwischen Gott und den Menschen Friede werden soll. Aber die volle Wahrheit finden wir da nicht. Die volle Wahrheit kommt uns nur durch Gottes Offenbarung. Er, der Beleidigte, kann allein die Sühne bemessen, die er nach seiner Gerechtigkeit fordern muß, und die Art bestimmen, wie sie ihm gebracht werden soll. Dies aber hat er gethan, nicht erst, als Christus da war und sich zu seinem Werke anschickte, sondern schon längff zuvor. Und gerade die Juden waren das bevorzugte Volk, denen er durch heilige Schriften und Stiftungen seinen Willen und seine unerläßlichen Forderungen in dieser Beziehung offenbarte. Er hieß sie ein Heiligtum aufrichten, die Stiftshütte, hernach den Tempel, von dem er ihnen zusagte, daß er daselbst bei ihnen