Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 43 (1887)
- Issue
- 12 (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Worauf gründet sich nun jene Hoffnung? Nicht sowohl auf Thatsachen der Gegenwart, auf die Erkenntnis, daß heutzutage manche einzelne Israeliten die in Jesu, dem Nazarener, erschienene Gotteshilfe dankbar annehmen, sondern auf unzweideutige Aussprüche der heiligen Schrift. Im Alten Testament kommen z. B. Jesaia 53, 1 ff.; Hosea 3, 5; Sacharia 12, 10 ff. in Betracht. Hiernach soll aus Israels Mitte einmal die Klage um den lange verachteten, von seinen Zeitgenossen durchbohrten Messias erhoben werden. Das Volk des alten Bundes wird die Ermordung des Stifters des neuen Bundes tief und bitter bereuen. Es wird zugleich in dem Blut des Getöteten das einige Mittel zur Heilung des Sündenschadens erkennen und sich dieses Mittels bedienen. Aus dem Neuen Testament sind anzuführen: Matth. 23, 39; Ap.-G. 1, 6; Offbg. 7, 4 und Röm. 11, 25 ff. Die erste Stelle enthält den Jubelruf, mit welchem das bekehrte Volk seinem Könige huldigt. In der zweiten wird zwar die Frage nach der Zeit der Wiederaufrichtung des Reiches für Israel nicht beantwortet, aber die Hoffnung auf dies Ereignis selbst genährt. Die 144 000 Versiegelten in der Offenbarung gehören den 12 Stämmen Israels an und sind von der aus allen Völkern gesammelten unzählbaren Schar unterschieden. Der bedeutsamste Ausspruch ist jedenfalls der angegebene Abschnitt im Römerbrief. Trotz aller Mißdeutungen, welche er erfahren hat, muß dieser Abschnitt auf einen unbefangenen Leser immer wieder den Eindruck machen, daß Paulus hier nicht von dem geistlichen, sondern von dem eigentlichen Israel und dessen Rettung handelt. Nachdem es lange Zeit teils gläubig, teils ungläubig gewesen, wird es sich einst in seiner Mehrzahl dem Glauben erschließen und so die Frucht des Glaubens erlangen. Über die hier in ihren Grundzügen dargestellte Hoffnungslehre gehen manche Schriftforscher noch hinaus. So hat ein Geistlicher der englischen Staatskirche vor einiger Zeit eine Abhandlung veröffentlicht, in welcher er die Bekehrung Israels zu dem wahren Messias und die Wiedervereinigung des ganzen zerstreuten Volkes im Lande Kanaan als nahe bevorstehende Ereignisse bezeichnet. Manche Zeichen der Zeit, besonders die Teilnahme, welche gegenwärtig in weiten Kreisen dem jüdischen Lande und Volke entgegengebracht wird, scheinen ihm hierfür zu sprechen. Mt seinen Ausführungen berührt sich mannigfach das fünfte Kapitel der von Georg Lutz, einem Prediger der apostolischen Gemeinden, der früher römisch-katholischer Priester war, verfaßten Schrift: „Die Hoffnung der Kirche Jesu Christi und des Volkes Israel." (Die zweite Auflage ist kürzlich bei R. Preyß in Augsburg zum Preise von 1,30 Mk. erschienen.) Auch dann, wenn man derartigen Forschungen, bezw.