Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 43 (1887)
- Issue
- 12 (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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unter den Heiden ein Much wäret, also will ich euch erlösen, daß ihr ein Segen seid! Darum fürchtet euch nicht und lasset eure Hände stark ein!" (Sach. 8,13.) Nach der Predigt blieben die Juden noch bis zum Schluß des Gottesdienstes in der Kirche. Nach dem Gebet wurde ein Lied gesungen und ich hielt die Schluß-Liturgie und erteilte der eigentümlich gemischten Gemeinde den Segen des dreieinigen Gottes. Darauf verließ ein Teil der Juden das Gotteshaus;, die andern aber blieben in der Kirche, bis ich hinausging. Von sichtbaren Früchten dieser Missionspredigt kann ich noch nicht sprechen. Im Reiche Gottes reifen die Früchte nicht so schnell und in die Augen springend, wie itt der Welt. Ich bin aber fest Überzeugt, daß manches Samenkörnlein des göttlichen Wortes auf einen fruchtbaren Boden gefallen ist, welches später aufgehen und Frucht bringen wird. Vielleicht wird noch später einmal ein ausländischer Pastor oder Missionar berichten können, er habe einen Israeliten aus Litthauen getauft, welcher die erste Anregung dazu in der Kirche zu Keidany empfangen hat; denn es ist ja eine bekannte Thatsache, daß die meisten Juden, welche zum Christentum übertreten wollen, ihr Vaterland oder wenigstens ihre heimatliche Provinz verlassen, weil sie aus Furcht vor ihren Verwandten und Glaubensgenossen diesen Schritt daheim zu thun nicht wagen. Nur Wohlhabende, welche nicht zu befürchten brauchen, durch ihren Übertritt ihre Existenz zu verlieren, thun diesen Schritt in ihrem Heimatsort. Es will schon viel sagen, wenn, wie es in der Kirche zu Keidany der Fall war, so viele streng-orthodoxe Juden, welche nach ihren Satzungen an keiner christlichen Kirche vorübergehen dürfen, ohne die Worte auszusprechen: „Du sollst einen Abscheu und einen Gräuel davor haben!" (5. Mos. 7, 26) es wagen durften, in eine christliche Kirche zu kommen. Unsere Hoffnung für Israel. In den täglichen Morgengebeten der Israeliten kommt folgender Satz vor: „Fremde sprechen: Es giebt keine Erwartung, keine Hoffnung (für sie). " Innerhalb der evangelischen Kirche lebt eine Hoffnung für Israel, die Hoffnung, daß dies Volk sich einst mit den übrigen Völkern vereinigen werde, um dem vor 1800 Jahren erschienenen Messias zu dienen und von ihm alles Gute zu empfangen. Viele Glieder unserer Kirche stimmen von Herzen ein in die Seufzer, die auf jenen Satz des jüdischen Gebetbuches folgen: „Sei gnädig dem Volk, das auf deinen Namen hofft! Du Reiner, bringe herzu unsere Hilfe!" Viele sagen mit David: „Ach, daß die Hilfe aus Zion über Israel käme und der Herr sein gefangenes Volk erlöset«I"