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Dibre Emeth · 1887-01-01 · 10 (1887) · page 5

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Journal
Dibre Emeth
Volume
43 (1887)
Issue
10 (1887)
Date
1887-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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77 sinnige Anschauungen beibrachten. Wegen dieser Wandlung seiner Denkweise sah er sich bald der Unterstützung seiner Eltern und Schwiegereltern beraubt. Als eine Feuersbrunst sein Haus und seine gesamte Habe verzehrt hatte, war er ganz auf seine eigene Thätigkeit angewiesen, um wieder emporzukommen. Er lernte darum zunächst Russisch und eröffnete dann eine Schule, in welcher er jüdische Kinder in dieser Sprache und in der Bibel unterrichtete. Auch mit der russischen Gesetzgebung machte er sich näher bekannt und konnte manchem Glaubensgenossen in Rechtssachen Rat erteilen. Sein Ansehen bei der jüdischen Bevölkerung wuchs inzwischen immermehr. Er siedelte nun nach Kischinew über, uiy für sein Volk, das er glühend liebte, in öffentlichen Blättern einzutreten. Eine Besserung der traurigen Zustände desselben schien die Auswanderung nach Palästina zu versprechen. R. vereinigte sich mit mehreren Freunden zu näherer Erwägung der Angelegenheit. Er wurde von ihnen beauftragt, sich an Ort und Stelle über die Verhältnisse zu unterrichten. Schon auf der Reise, in Konstantinopel und Jaffa, schwand dem treuen Freunde Israels manche Hoffnung. Viele Berichte erwiesen sich als unwahr. Besonders in Jerusalem überzeugte sich der Fremdling davon, daß die Übersiedlung nach Palästina die Schäden seines Volkes nicht heilen könne. Da ließ ihn Gott die rechte Salbe aus Gilead finden. Als er eines Abends am Fuß des Ölbergs, im Garten Gethsemane, saß„ durchblitzte ihn plötzlich ein vor 15 Jahren gelesenes, aber damals nicht beachtetes Wort des Neuen Testamentes: „So euch der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei" (Joh. 8, 36). In tiefer Bewegung begab er sich sofort in seine Wohnung und griff zu den Schriften der Apostel. Das Heilandswort: „Ohne mich könnt ihr nichts thun" (Joh. 15, 5) führte ihn weiter zur Erkenntnis der Wahrheit, von welcher er seither nicht wieder abgewichen ist. „Jesus ist unser Bruder!" mit dieser Losung kehrte er nach Rußland zurück. Seit dem Winter des Jahres 1883 sammeln sich in Kischinew Gleichgesinnte um ihn. Am 22. März 1885 ließ er sich in der Bethlehemskirche zu Berlin taufen. Als er kürzlich England und Schottland besuchte, gelang es ihm seiner Sache viele neue Freunde zuzuführen. Sterbensbeschreibungen. Der Tod ist die Probe zu der Rechnung unseres Lebens. Sage mir, wie N. N. gestorben ist, und ich will dir sagen, wie er gelebt hat. Der Tod zieht den Schleier weg, hinter dem sich der Lebende verbergen konnte. Darum sind Sterbensbeschreibungen oft lehrreicher als Lebensbeschreibungen. Es giebt auf diesem Ge-

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