Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 43 (1887)
- Issue
- 6 (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Auf ihre Bitte erhielt sie einen Paß zur Reise nach Fraustadt und das sichere Geleit eines Gendarms über eine Meile weit, so daß sie glücklich ihr Ziel erreichte. Hier erhielt sie sofort wieder den Unterricht des Missionars, wobei sie in viele innere Kämpse geriet. Doch auch aus diesen Kämpfen ging sie siegreich hervor. Als ihr Vater noch einmal kam, um sie mit allerlei wahren und erlogenen Versprechungen zur Rückkehr zu bewegen, trat sie ihm zwar bescheiden und ehrerbietig entgegen und küßte ihm mehrmals kindlich die Hand, weigerte sich aber fest und entschieden, ihm zu folgen, da sie Christin werden wolle. So wurde sie denn auch, nachdem noch manche andere Schwierigkeiten überwunden worden waren, in der von Christen und Juden überfüllten Kirche in Fraustadt getauft. Zu diesen Schwierigkeiten gehörte auch die oft nur schwer zu überwindende Weigerung der Geistlichen, die Taufe an den fleißig und sorgsam unterrichteten Proselyten zu vollziehen. Um hierdurch nicht behindert zu sein und die von ihm unterrichteten Juden selbst taufen zu können, wandte sich Hartmann auf Zureden seiner Freunde an den Minister der geistlichen Angelegenheiten mit der Bitte, zu genehmigen, daß er ordiniert werde, ohne das zweite theologische Examen ablegen zu müssen. Auf Verwendung seiner Gönner, besonders auf die Fürsprache des Bischofs Ritschel, und in Rücksicht auf den guten Ausfall der ersten Prüfung wurde diese Bitte erfüllt, so daß er am 30. Juni 1841 in Stettin von dem Bischof unter Loben und Danken für die gnädige und wunderbare Führung Gottes die Ordination empfing. Hierdurch wurde seine Stellung unter den Geistlichen wie auch seine ganze Wirksamkeit eine weit selbständigere als bisher, aber ohne daß er je seinem Grundsätze, sich in landeskirchliche Angelegenheiten nicht zu mischen, untren geworden wäre. Seine Missionsreisen hatten sich schon mehrere Jahre auch auf die Provinz Brandenburg erstreckt. Besonders wurden die Messen in Frankfurt a. O., zu welchen viele Juden herbeiströmten, von ihm zugleich mit anderen Missionaren, meist in Gemeinschaft mit seinem Mitarbeiter und Freunde, dem Missionar Graf, besucht. Die Wichtigkeit dieses Arbeitsfeldes erkannte auch das Komitee in London, und es beschloß deshalb, dort eine besondere Station zu errichten. Als Hartinann im Jahre 1843 den Maiversammlungen in London beiwohnte, wurde ihm seine Versetzung nach Frankfurt a. O. mitgeteilt, wohin er noch im Herbst desselben Jahres übersiedelte, um seine Missionsthätigkeit nicht bloß in derselben Weise fortzusetzen, sondern auch alsbald durch Herausgabe einer Zeitschrift zu erweitern. (Fortsetzung folgt.)