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Dibre Emeth · 1887-01-01 · 6 (1887) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
43 (1887)
Issue
6 (1887)
Date
1887-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Stettin erlangt hatte, kehrte er auf seine frühere Station Posen zurück, um nun dies Recht im Dienst seines Berufes, besonders auf Missionsreisen, zu verwerten und auszuüben. Mehr denn je war sein Herz von Freudigkeit und Verlangen erfüllt, den Juden Zeugnis abzulegen, daß Jesus der verheißene Messias ist, und sie zu locken und zu bitten, durch den Glauben an ihn selig zu werden. Deswegen lehnte er denn auch mehrere Pfarrstellen in Pommern, die ihm mit der Aufforderung, sofort die zweite theologische Prüfung zu machen, angeboten wurden, ab, obgleich sie ihm eine sorgenlose Existenz gesichert hätten. Er dachte gar nicht daran, das zweite Examen behufs der Ordination zu machen, sondern, überzeugt, daß der Herr ihn zum Missionar unter den Juden berufen habe, wollte er nur ihnen das Evangelium frei verkündigen dürfen. Und das that er denn auch in den einzelnen Städten der Provinz, wenn auch unter mannigfachen Anfechtungen, und oft nach schwieriger Überwindung der ihm bereiteten Hindernisse. Zu seiner großen Freude waren die meist Sonnabends gehaltenen Predigten auch von zahlreichen Juden besucht, die zumteil ihn nach der Predigt noch im Hause aufsuchten, über Weissagung und Erfüllung mit ihm weiter sprachen und Bücher und Traktate zu weiterer Belehrung kauften oder sich schenken ließen. Da er der hebräischen Sprache in besonderer Weise mächtig war, so wurde er öfter für einen getauften Juden gehalten. Man meinte, kein Christ könne das Hebräische so sprechen. Besonders rührend war es ihm, als eine Jüdin in Jnowrazlaw in ihm durchaus ihren schon vor vielen Jahren nach Basel gegangenen Sohn wieder erkennen wollte, mit weinenden Augen auf ihn zukam, schluchzend seine Hände ergriff und ihm um den Hals fallen wollte. Mit Mühe nur gelang es ihm. sie zu überzeugen, daß er nicht ihr Sohn sei. Noch schwerer wurde es ihm, dem Manne der Jüdin, der jeden Sonnabend zum Besuch zu ihm kam, zu beweisen, daß er nicht sein Sohn sein könne. In großer Betrübnis, daß der Missionar seine Vaterliebe abwehrte, rief er aus: „O möchte mir doch das Herz zerplatzen!" Ob die alten Leute indem falschen Wahne geblieben sind, hat Hartmann nicht erfahren können. Viele Schwierigkeiten wurden ihm auf seinen Missionsreisett auch von Geistlichen bereitet, deren viele damals noch von der Mission verächtlich dachten und nichts von ihr wissen wollten, zumal auch die kirchlichen Behörden der Mission noch nicht günstig gesinnt waren. Zu den Feinden der Mission gehörte auch der damalige Bischof Freymark. Freundlicher wurde derselbe erst als ihm der Missionär bei einem Zusammentreffen erklärte, däß er sich nicht berufen fühle, sich in die kirchlichen Angelegenheiten

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