Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 43 (1887)
- Issue
- 5 (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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hatte sich in dem Gotteshause versammelt, und aller Augen waren auf den Mtarplatz gerichtet. Dort saß der Täufling, die Bibel und das Gesangbuch in der Hand, neben ihm die drei Taufzeugen, der Pastor, der Archidiakonus und die Gattin des Diakonns. Feierlich ertönten zuerst die Klänge des alten Liedes: „Nun bitten wir den heil'gen Geist" durch das Gotteshaus. Hierauf trat der Diakonus an den Altar und hielt eine kurze, warme Rede über 1. Joh. 2, 28: „Und nun, Kindlein, bleibet bei ihm, auf daß, wenn er geoffenbaret wird, wir Freudigkeit haben und Nicht zu Schanden werden vor ihm in seiner Zukunst." Sodann stand Levi Jeremias auf und legte sein Glaubensbekenntnis ab, welches aus 92 Fragen bestand, die er klar und entschieden beantwortete, so daß die Taufgemeinde höchlich dadurch erbaut ward. Dann schritt er, geführt von den Paten, an den Taufstein, wo der Diakonus die heilige Handlung unter Gebet und Segenswunsch nach der Ordnung der evangelisch-lutherischen Kirche vollzog. Mit dem Liede: „Laß mich dein sein und bleiben" schloß die seltene Feier, über welche der Pfarrer zu Nutz und Frommen der Nachwelt einen ausführlichen Bericht im Kirchenbuche erstattete. Natürlich legte der neubekehrte Christ mit seiner Taufe die alten Namen Levi Jeremias ab. Hatte sich doch nun an diesem Levi erfüllt, was einst der Herr von dem Stamme Levi zu Mose gesagt hatte: „Siehe, ich habe die Leviten genommen unter den Kindern Israel, also daß die Leviten sollen mein sein" (4. Mos. 3, 12); war doch nun zur Wahrheit geworden an diesem Jeremias, was einst sein Namensvetter, der alte Prophet Jeremias, verkündet hatte: „So ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr" — und: „Ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte." (Jerem. 29, 13—14; 31, 3.) Es wurden ihm anstatt der jüdischen Namen auf seinen Wunsch die neuen Namen Ernst Gottlieb Christ beigelegt. Christ nannte er sich, weil er nun Christi Eigentum geworden war und in Christo Jesu das eine, was not thut, gefunden hatte. Gottlieb nannte er sich, weil er nun erst den rechten Zugang zu Gott gewonnen hatte, in Christo Gott recht lieb haben und in ihm rufen'konnte: Abba, lieber Vater! Und weil er auch äußerlich bezeugen wollte, daß es ihm mit seinem Übertritte heiliger Ernst sei, so stellte er noch den Namen Ernst voran. Nachdem sich der neue „Ernst Gottlieb Christ" durch Fleiß und Sparsamkeit unter Gottes, seines Heilandes, sichtbarem Segen ein kleines Vermögen gesammelt hatte, heiratete er, obgleich schon bei Jahren, anno 1792 eine schlichte Merseburger Bürgerstochter.