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Dibre Emeth · 1887-01-01 · 5 (1887) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
43 (1887)
Issue
5 (1887)
Date
1887-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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leben und sterben wolle. Aber der Mensch denkt, und Gott lenkt. Allmählich erwachte in dem Herzen des Israeliten eine leise Unruhe, die sich immer mehr steigerte. Als er eines Sonntags die Leute in dichten Scharen zur Kirche ziehen sah, da dachte er bei sich: „Die da draußen können nun mit ihren Glaubensgenossen zum Gottesdienst in das Gotteshaus wallen und können gemeinsam hören, beten und singen, und du bist der einzige, der keine« Glaubensgenossen und kein Gotteshaus hat, der mutterseelenällein ganz in der Sülle seines Glaubens leben muß!" Und als am nächsten Sonntag die Kirchleute an seinen Fenstern wieder vorbeigingen, da sagte er halblaut vor sich hin: „Will doch einmal mitgehen und sehen, wie es droben im Dome zugeht, ob es wirklich so schön ist, wie die Nachbarn einstimmig versichern." Und so ging er mit hinauf, hörte der Predigt des Evangeliums andächtig zu, und es war ihm, als ob diese Predigt eigens für ihn gemacht sei, so genau paßte sie auf den Zustand seines inwendigen Menschen. Gewaltig wogte und wallte es nun in seiner Seele. Es war ihm, als ob zwei feindliche Heere mit einander kämpften in seiner Brust. Vom väterlichen Glauben abzufallen, ach, das war so schwer für ihn. Wenn das seine Eltern wüßten, daß er nur diesen Gedanken hatte aufkommen küssen, sie würden sich im Grabe umwenden, so dachte er. Und doch hatte er klar erkannt, das wahre Heil müsse in Christo Jesu beschlossen sein, auf den ja auch schließ-' lich alle Propheten des alten Bundes wie mit Fingern hindeuteten. Und so brach denn endlich doch die Entscheidung durch. Es war im Frühjahr 1783, als der Diakonus von St. Maximi zu Merseburg, Wilhelm Gottlieb Georgi, der dem Israeliten ein guter Freund geworden war, an seinem Schreibtisch saß und an eined Predigt arbeitete. Da that sich die Thür auf, und herein trat dee Jude Levi Jeremias mit dem Begehren, in die christliche Kirchd ausgenommen zu werden. Der Geistliche war hocherfteut unr unterredete sich mit dem Israeliten über Mose und Christus, unr wie der Heiland ja zunächst gekommen sei, die verlorenen Schafe aus dem Hause Israel auf die rechte Bahn zu bringen und zur Quelle des lebendigen Wassers zu geleiten. Tag für Tag fang sich nun der Proselyt bei dem wackern Diakonus ein und ließ sich als gelehriger Schüler aus Luthers kleinem Katechismus und der heiligen Schrift alten und neuen Bundes über die Thatsachen des Heils unterrichten. Schon am 20. Juli desselben Jahres konnte die Taufe vorgenommen werden. Es war für ganz Merseburg ein Ereignis, als in der Kirche zu St. Maximi nach beendigtem Nachmittagsgottesdienst das hochheilige Sakrament vollzogen ward. Eine große Menschenmenge

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