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Dibre Emeth · 1887-01-01 · 4 (1887) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
43 (1887)
Issue
4 (1887)
Date
1887-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mußte, nachdem er konfirmiert war, bei-seinem Vater Knechtsarbeit thun; er mußte pflügen und säen, mähen und ernten. Er that auch diese Arbeiten als ein gehorsamer Sohn und fleißiger Arbeiter, dabei aber immer wieder seufzend: „Wenn ich doch eine höhere Schule besuchen und studieren könnte", und oft . die Schüler des Görlitzer Gymnasiums beneidend und nicht begreifend, warum der liebe Gott ihn in solchen Verhältnissen hatte geboren werden lassen, daß er seine Lernbegierde nicht befriedigen konnte. Natürlich kamen auch Zeiten, in welchen die Welt mit ihrer Lust ihn lockte. Wie groß die Versuchungen und der Kampf gegen sie waren, ist daraus zu ersehen, daß er als Jüngling einmal geweint hat, weil man nicht Gott und der Welt zugleich dienen könne. Niemals jedoch hat er sich der Täuschung hingegeben, daß ein Hinken auf beiden Seiten möglich sei; er ist darum auch mit Gottes Hilfe vor groben Sünden bewahrt geblieben und hat allezeit nicht bloß das Bewußtsein der Sündhaftigkeit, sondern auch das der Erlösungsbedürftigkeit lebendig erhalten. Dazu trug wohl auch eine wunderbare Bewahrung vor einem schrecklichen Tode bei. Er mußte nämlich einst einen schweren Leichenstein nach Görlitz , fahren, verwickelte sich unterwegs an einer steilen Stelle in die Leine und kam so wunderbar mit Kopf und Leib unter den schmalen Wagen zu liegen, daß die Räder nur über die Beine gingen und zwar ohne dieselben zu zerbrechen, was nur bei dem gerade an dieser Stelle ebenen und sandigen Wege möglich war. Welche Selbstbeherrschung der Jüngling hatte, bewies er dadurch, daß er nicht bloß trotz der furchtbarsten Schmerzen seinen Auftrag ausführte, sondern auch niemand etwas von dem Unfall mitteilte, bis seine Eltern ihn durch einen Bekannten aus dem Nachbardorfe erfuhren, der ihn mitangesehen hatte. So vergingen die Jahre, und es schien, als ob er einmal Nachfolger seines Vaters in der Wirtschaft werden würde, zumal der Vater alles, was dieselbe betraf, mit ihm wie mit einem Freunde besprach. Dennoch sollte er an das Ziel gelangen, nach welchem er sich von Kindheit an gesehnt hatte. Im Jahre 1817 nämlich war der von seiner Gemeinde verehrte Pastor Fest durch den Tod aus seiner gesegneten Wirksamkeit abgerufen und an seine Stelle sein Neffe, der junge Kandidat Göbel, berufen worden. Dieser predigte gewaltiglich, so daß die Leute auch aus den umliegenden Dörfern und weither kamen, um ihn zu hören. Die Kirche war stets so gefüllt, daß kein Plätzchen leer war. In der ganzen Gegend entstand zugleich eine Erweckung, so daß die Leute beim Heimgange aus der Kirche oft auf freiem Felde auf die Kniee fielen, um zu beten. Dieser junge Geistliche

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