Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 43 (1887)
- Issue
- 4 (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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außerordentliche Lernbegierde, die sein Vater, der auch eine für seine Verhältnisse seltene Bildung besaß, begünstigte und befriedigte, soweit er dazu imstande war. Der überaus bibelkundige Mann hatte seine Freude an der Aufmerksamkeit des Knaben, der seinen Erzählungen der biblischen Geschichten lauschte. Die letzteren machten einen so tiefen Eindruck auf denselben, daß er sehnlichst wünschte, auch so fromm zu werden wie die heiligen Männer in diesen Geschichten. So wurde in ihm ein kindlich frommer, auf Gott und das Göttliche gerichteter, allen guten Eindrücken zugänglicher Sinn geweckt und gepflegt, der schon während seiner Kindheit sich so ausbildete, daß er sich oft sehnte, bei Gott im Himmel zu sein. Den größten Einfluß aber übte der Konfirmandenunterricht auf ihn aus. Der Ortsgeistliche, Pastor Fest, war ein frommer, ernster und dabei sehr liebevoller Mann. Man sah ihn selten lächeln, aber wenn es geschah, lag ein ungemein lieblicher Ausdruck auf seinem Angesicht. Den Unterricht eröffnete er stets mit Gebet auf den Knieen. An ihm hingen die Kinder wie alle Leute der Gemeinde mit ihrem ganzen Herzen. Diese Zeit des Konfirmandenunterrichts war für den Knaben eine reich gesegnete und höchst selige Zeit, ja noch in den letzten Jahren seines Lebens bezeichnete er sie als wohl die seligste in seinem ganzen Leben. In den von ihm hinterlassenen Skizzen aus seinem Leben schreibt, er darüber: „Der Unterricht, den ich genoß, drang in mein Innerstes und belebte die Sehnsucht nach einem recht innigen Leben mit dem treuen Herrn und Heilande. Wie oft habe ich gewünscht, zur Zeit, als er auf Erden wandelte, mit ihm zusammen gelebt zu haben und ihm Nachfolgen zu können wie seine Jünger und dann mit diesen auszuziehen, um den Heiden das Evangelium zu predigen, wie sie es gethan haben. Oft entstand in mir auch der Wunsch: Wenn doch jetzt auch eine Zeit wäre, in welcher noch Verkündiger des Evangeliums zu den Heiden geschickt würden, du möchtest dann gleich mit ihnen ziehen!" In dieser Zeit suchte er oft einen einsamen Winkel oder einen unbeachteten Platz auf freiem Felde auf, an dem er seine Kniee vor dem Herrn beugte und ihn um Vergebung der Sünden und um . Gnade anrief. In solcher Stimmung wurde er konfirmiert und empfing er zum erstenmal das heilige Abendmahl, und nur mit Loben und Danken gedachte er zeitlebens des reichen, damals empfangenen Segens. So groß die Sehnsucht war, eine höhere Schule zu besuchen und studieren zu können, so sehr der Vater darüber nachsann, wie wohl der Wunsch des Sohnes könnte zur Ausführung gebracht werden: es eröffnete sich keine Aussicht, und der schwächliche Knabe