Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 43 (1887)
- Issue
- 3 (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 der Liebe zu den Kindern Abrahams die Rede sein, die während des letzten Jahres in Deutschland und Nord-Ämerika zu Tage traten. Als ein solches Zeichen haben wir vor allem die am 1. November 1886 stattgefundene Eröffnung des Judenmissions-Seminars in Leipzig anzusehen. Schon im Jahre 1870 hatte der unermüdliche Förderer der evangelischen Liebesarbeit an Israel, Professor Delitzsch in Leipzig, die Notwendigkeit einer derartigen Anstalt nachgewiesen. Die Ungunst der Zeit ließ es aber nicht zur Ausführung dieses Gedankens kommen. Da wurde er durch Miss. Faber aufs neue warm befürwortet. Der im August 1886 von demselben ausgesandte Aufruf blieb nicht vergeblich. Hundert und aberhundert willige Geber begrüßten das Unternehmen mit Freuden, und ein stattlicher Fonds wurde gesammelt. Und so empfangen nun seit dem genannten Tage 3 junge Theologen den auf die Verkündigung des Evangeliums unter Israel vorbereitenden Unterricht. Als Seminarlehrer wirken Professor Delitzsch, Miss. Faber und 2 Judenchristen. Die Studienordnung für das Winterhalbjahr 1886/87 enthält folgende Unterrichtsgegenstände: Neues Testament mit Erläuterungen aus der jüdischen Litteratur, Schriftbeweis des Christentums gegenüber dem Judentum, sprachliche und liturgische Auslegung des jüdischen Gebetbuchs, biblische Probleme, Missionsgeschichte, Jesaia II, Englisch. Privatim lesen die Seminaristen das 2. und 5. Buch Moses. Auch nehmen sie an der täglichen Abendandacht im Institntura Judaicum teil und erhalten dadurch, wie durch Mitteilungen, aus der Missionskorrespondenz einen Einblick in die praktische Missionsthätigkeit. Näheres über diesen neuen, schönen Zweig am Baum der Judenmission findet man in der Nr. 11 der Schriften des Inst. Jud. in Leipzig (Preis 40 Pf.). Die 10 ersten Schriften desselben sind jetzt in einem eleganten Sammelband zu haben, der gegen Einsendung von Mk. 4,50 von der Buchhandlung des Instit. (Thalstraße 26) franko versandt wird. Das zweite erfreuliche Zeichen, von dem wir sprachen, ist die Gründung einer Judenmissions-Gesellschast innerhalb der bischöflichen Methodistenkirche von Nord-Amerika. Dieselbe erfolgte am 7. Dezember zu Colesburg, Iowa, auf Anregung des von Professor Schaub bei einer kirchlichen Versammlung daselbst gehaltenen Vortrages über den Stand des jüdischen Volkes und die Pflicht der Kirche demselben gegenüber. Im ersten Teil der Rede wurde nachgewiesen, wie der Stand jenes Volkes, dessen Geschichte die wunderbarste, dessen Erfahrungen die merkwürdigsten, dessen ganze Erscheinung und Erhaltung nach natürlichen Gesetzen un-