Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 43 (1887)
- Issue
- 2 (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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G ' . selbst nicht mehr; Gott bemächtigt sich ihrer gänzlich; er lenkt ihre Gedanken und Triebe; sie ist sein. ... „Endlich, und dies ist mein letzter Beweisgrund, giebt es keinen Gott im Himmel, wenn ein Mensch mit vollständigem Erfolg den riesenhaften Plan fassen und ausführen konnte, sich die höchste Anbetung zu verschaffen, indem er sich den Namen Gottes beilegte. Jesus ist der einzige, der dies gewagt, er ist der einzige, der deutlich gesagt und unerschütterlich von sich selber behauptet hat: „Ich bin Gott!" was etwas anderes ist als die Behauptung „Ich bin ein Gott" oder: „Es giebt Götter." Die Geschichte gedenkt keines andern, welcher den Namen Gottes im absoluten Sinne angenommen hätte. Die heidnische Götterlehre sagt durchaus nicht, daß Jupiter und die andern Götter sich selbst für Götter erklärt haben. Es wäre dies von ihrer Seite der Gipfel des Stolzes und damit zugleich Narrheit und Unsinn gewesen. Die Nachwelt, die Erben der ersten Despoten, haben diese zu Göttern gemacht. . . Da alle Menschen von gleicher Abkunft sind, so konnte Alexander sich wohl den Sohn Jupiters nennen, aber ganz Griechenland lachte über diese Anmaßung. Und ebensowenig war es de» Römern Ernst mit der Vergötterung ihrer Kaiser. Muhammed und Confucius haben sich einfach für Gesandte der Gottheit ausgegeben. ... „Wie also kommt es, daß ein Jude, dessen geschichtliches Dasein besser bewiese« ist, als das Dasein irgend eines seiner Zeitgenossen, sich selbst, den Sohn eines Zimmermannes, geradezu für Gott erklärt, für das Wesen aller Wesen, für den Schöpfer aller Dinge? Er nimmt in jeder Weise die Anbetung anderer Menschen an. Er baut seinen Tempel mit eigner Hand, nicht von Steinen, sondern von Menschen. Man bewundert die Eroberungen Alexanders. Hier aber ist ein Eroberer, der zu seinem Besten an sich zieht, mit sich vereinigt, in sich einverleibt — nicht etwa ein Volk, sondern das ganze Menschengeschlecht. „Und wie geschieht dies? Durch ein Wunder, das alle anderen Wunder übersteigt. Er verlangt die Liebe der Menschen, das heißt: dasjenige, was von allen Dingen am schwersten zu gewinnen ist; was ein Weiser kaum von einigen Freunden erlangt, ein Vater von seinen Kindern, ein Weib von ihrem Manne, ein Bruder von seinem Bruder. Mit einem Worte: Christus nimmt das Herz für sich in Anspruch, er fordert es unbedingt, und — es gelingt ihm vollkommen. Daraus schließe ich, daß er Gott ist. ... . Er hat eine Flamme der Liebe in den Menschen angezündet, bei der ihre Liebe zu sich selber stirbt, und die jede andere Liebe überwiegt. Wie sollte man nicht aus diesem Wunder seines Willens in ihm