Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 43 (1887)
- Issue
- 2 (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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dann kann uns der Herr helfen und aus uns etwas machen, daß wir zum Lobe seiner herrlichen Gnade etwas werden. Darüber sprach ich, ohne zu ahnen, wie tief es jenem Neffen meines Hausarztes und seinem jungen Freunde, der mit ihm in der Kirche saß, zu Herzen ginge. Als die beiden jungen Israeliten aus der Kirche sich entfernten, nahmen sie bewegt von einander Abschied. Der Neffe begab sich zu seinem Oheim, dem Arzte, und dieser fragte ihn zufällig einmal wieder, wie so oft schon: „Nun, was willst Du denn werden?" Der Jüngling, ganz mit der gehörten Predigt beschäftigt, erwidert ernst und bestimmt: „Lieber Oheim, ich will ein Christ werden!" — Groß war die Verlegenheit und der Ärger des Oheims. Er konnte sich diese Antwort nicht erklären. Er dachte, ich hätte durch besondere Unterredungen auf seinen Neffen eingewirkt, was doch garnicht der Fall gewesen war. Er fragte weiter: „Und warum willst Du ein Christ werden?" und erhielt von dem Neffen die schlichte und entschiedene Antwort: „Ich will vor allem selig werden, darum will ich ein Christ werden!" Der Neffe erzählte dem Oheim, was er aus der gehörten Predigt behalten. Dieser ließ mich kommen und stellte mich zur Rede. Ich war nicht wenig erstaunt über die Wirkung meines armen Wortes, zu dem sich der Herr bekannt hatte. Ich stellte dem Arzte vor, daß er das Werk des Herrn an der Seele seines Neffen nicht hindern könne noch dürfe, wenn er nicht große Schuld auf sich laden wolle, und daß die Folgezeit lehren werde, ob es mit dem Verlangen des Neffen ganzer Ernst sei. Das war es aber in der That. Der Jüngling kam regelmäßig in mein Haus, wo ich ihn mit wahrer Freude samt seinem Freunde, dem andern Gymnasiasten, längere Zeit im Evangelium unterrichtete. Der Arzt sah bald die Früchte des Evangeliums an dem Wandel seines Neffen, und wie viel er anfangs auch dagegen hatte, mußte er doch bald einsehen, daß jener nur dem innern Zuge seines Herzens und Gewissens folgte, indem er Christi Eigentum werden wollte, und daß sein Entschluß ganz feststand, den Herrn vor der Welt zu bekennen. Da meinte der Arzt als gebildeter Mann der Überzeugung des Neffen nicht Gewalt anthun zu dürfen und gestattete ihm den Übertritt zur christlichen Kirche. Der Jüngling und sein Freund wurden beide vor einigen Jahren getauft und wandeln seitdem würdiglich dem Evangelium. Seitdem besuchte auch der Arzt öfter unsere Kirche und bat mich auch, zu ihm zu kommen, hörte gern vom Christentum, aber nur nicht von einem Sünderheiland. Er hatte viel von Christus als dem Jdealmenschen u. dergl. gelesen und war ganz damit einverstanden.