Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 10 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554914-2554925--08529-2564568- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
75 er an sich heran. Er war Christus (der Messias). Als die Vornehmsten unseres Volkes ihn vor Pilatus angeklagt hatten, ließ derselbe ihn kreuzigen. Aber diejenigen, die ihn zuerst (während seines Lebens) geliebt hatten, verließen ihn auch nach seinem Tode nicht. Er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebendig, wie die heiligen Propheten dies und viele andere wunderbare Dinge von ihm verkündigt hatten. Noch bis jetzt hat das Geschlecht der Christen, die von diesem ihren Namen empfangen haben, nicht aufgehört." Freilich ist es zweifelhaft, ob diese Stelle in ihrem vollen Umfange von Josephus herrührt. Bretschneider und Schädel haben ihre Echtheit verteidigt. - 2. Unanfechtbar ist jedenfalls, was der Christen- und Judenfeind Tacitus (50—110 n. Chr.) in seinen Annalen (Buch 15 Kap. 44) sagt: „Der Urheber des Ehristennamens, Christus, war unter dem Kaiser Tiberius durch den Prokuratur Pontius Pilatus hingerichtet worden. Der für den Augenblick unterdrückte, verderbliche Aberglaube brach wieder aus, nicht nur durch Judäa hin, die Heimat dieses Übels, sondern sogar durch die Stadt (Rom) hin, wo von allen Seiten her alles Entsetzliche und Schändliche zusammenfließt und gefeiert wird." — Die in Rom befindlichen Christen wurden von Nero als die Anstifter der von ihm selbst verursachten Feuersbrunst des Jahres 64 (65) bezeichnet und grausam verfolgt. 3. Der jüngere Plinius (62—112 n. Chr.), unter Trajan (98—117) kaiserlicher Statthaller von Bithynien, schrieb an den ersteren von hier aus über abgefallene Christen (Epist. X, 96. 97): „Sie versicherten, darin habe ihre Hauptschuld oder ihr Hauptirrtum bestanden, daß sie gewohnt gewesen seien, an einem festgesetzten Tage vor Tagesanbruch zusammenzukommen und miteinander Christo ein Lied zu singen, als wäre er ein Gott, und sich durch einen Eid nicht zu irgend einem Verbrechen, sondern dazu zu verpflichten, keinen Diebstahl, keinen Raub, keinen Ehebruch zu begehen, das gegebene Wort nicht zu brechen, das anvertraute Gut auf Verlangen herauszugeben. Hierauf seien sie regelmäßig auseinandergegangen, und (später) wieder zusammengekommen, um eine — übrigens gemeinschaftliche und unschädliche — Speise zu sich zu nehmen." 4. Ein Zeitgenosse der genannten römischen Schriftsteller, Sueton (70—121 n. Chr.), erzählt in seinem Leben des Kaisers Claudius (Kap. 25) von demselben: „Er vertrieb die Juden, welche auf Antrieb des Chrestus beständig Unruhen erregten, aus Rom." Die Namen Chrestus und Christus werden oft miteinander vertauscht. Manche Gelehrte meinen, das sei auch hier der Fall, und man habe an eine durch den Einbruch des Christentums entstandene Spaltung innerhalb der jüdischen Gemeinde in Rom und an dadurch herbei-