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Dibre Emeth · 1886-01-01 · 8 (1886) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
42 (1886)
Issue
8 (1886)
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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62 Gewissensfreiheit, fürs Christentum zu gewinnen. Da ich der Überzeugung bin, daß es bei meiner Stellung eher schädlich als vorteilhaft wirken würde, wenn ich hier das: „Nötige sie hereinzukommen!" anwenden wollte, habe ich mich auf folgendes beschränkt: 1. Unter den Christen meiner Gemeinde suche ich teils durch Privatunterredungen, teils durch Missionsstunden und andere öffentliche Vorträge die Überzeugung zu beleben von der Möglichkeit einer wahren Judenbekehrung und von dem Willen Gottes, daß sie zustande komme. Ich teile daher zuweilen auch Nachrichten von der Bekehrung einzelner Juden mit und suche den Wunsch rege zu machen, daß diese Erfahrungen häufiger werden möchten. Sodann erinnere ich meine christlichen Gemeindeglieder an ihre Pflicht, dem Christentum durch ihren Sinn und Wandel Ehre zu machen und bei gelegenheitlichen, freundlichen Unterredungen den Juden ihre Vorurteile gegen die christlichen Lehren zu benehmen. Und ich weiß, daß diese Erinnerungen nicht alle vergeblich gewesen sind, indem mehrere mit den Juden nahe zusammen wohnende Christen jede Gelegenheit benützten, die Juden auf die Unvollkommenheit der mosaischen und die Vollkommenheit der christlichen Religion aufmerksam zu machen. Führt das gleich meistens nur zu Disputationen, so kann es doch da und dort einen Stachel im Herzen zurücklassen, der gesegnete Früchte trägt, und auch auf die Christen selbst günstig zurückwirken. 2. Bei den erwachsenen Juden suche ich vor allem durch wohlwollendes und teilnehmendes Benehmen mir Vertrauen und Zuneigung zu gewinnen und zu erhalten. Wo ich dessen gewiß bin, unterrede ich mich gelegenheitlich mit ihnen über ihre Lehren und Religionsgebräuche, über den Messias u. dergl., und ermahne sie, als Juden aufs strengste und gewissenhafteste ihre Gebräuche und Vorschriften zu halten. Denn gewissenhafte Juden sind mir an sich schon achtungswerter als leichtsinnige Libertiner und ich glaube auch, daß solche, welche die unerträgliche Last ihres Gesetzes fühlen, sich eher sehnen nach der Erlösung und erkennen lernen, daß durch des Gesetzes Werke niemand gerecht wird. Dies ist freilich der langsamere und schwierigere Weg zur Bekehrung der Juden unter uns, aber meines Erachtens der einzige wahre und gerechte. Die Verbreitung von Schriften habe ich zwar auch schon versucht, aber vergebens; denn viele Juden können entweder gar nicht lesen oder wenigstens nicht die gedruckte deutsche Schrift; außerdem haben sie ein großes Vorurteil gegen alle Schriften, die von Christen kommen. 3. Üm der Judenkinder willen bin ich froh, daß sie jetzt nach dem Gesetze die christliche Schule besuchen müssen, wenn es gleich

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