Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 8 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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63 für die christliche Schule selbst kein Gewinn ist. Zwar dürfen sie keinen unmittelbaren Anteil an dem christlichen Religionsunterricht nehmen, der in der Schule erteilt wird, sondern werden während desselben im Rechnen und in Ähnlichem geübt. Allein es läßt sich, auch wenn man es noch so sehr wollte, durchaus nicht verhüten, daß die Kinder auf die Unterredungen, die neben ihnen gehalten werden, achten und dadurch mit den Lehren des Christentums bekannt werden. So durfte ich denn auch schon hier und da die erfreuliche Erfahrung machen, daß, wo mir Christenkinder die Antwort schuldig geblieben sind, die seitwärts mit etwas anderem beschäftigten Judenkinder sich nicht enthalten konnten, zu antworten und meistenteils ganz richtig antworteten. Überdies müssen die Jsraelitenkinder natürlich an den Leseübungen Anteil nehmen und diese werden, wenn auch nicht immer, doch meistens in der Bibel, dem Spruchbuch und dem Gesangbuch angestellt. Da mich nun der Berein -der Freunde Israels in den Stand gesetzt , hat, die Bibel Alten und Neuen Testamentes an die hiesigen Judenkinder zu verteilen, so ist ihnen Gelegenheit geboten, die heil. Schrift auch zu Hause vor den Ohren der erwachsenen Glaubensgenossen zu lesen. Ferner wird möglichst darauf gehalten, daß sie die Sprüche der heil. Schrift, welche in dem israelitischen Spruchbuch gesammelt sind, fleißig und pünktlich auswendig lernen. Sodann hören sie es natürlich auch mit an, wenn die Christenkinder ihre christlichen Sprüche und Lieder hersagen. Sie stehen unter derselben Schulzucht wie die Christenkinder. Der ganze Geist der Schule, der ein christlicher sein soll, wirkt auf sie ein. Und damit alles dieses sich nicht so bald wieder verwische, so besuchen sie die hiesige christliche Sonntagsschule. Wenn ich es nun außerdem, wo sich Gelegenheit darbietet, nicht an Belehrungen und Ermahnungen bei diesen Kindern fehlen lasse, so glaube ich mich der Hoffnung überlassen zu dürfen, daß wenigstens die nachwachsenden Israeliten fürs Christentum immer empfänglicher und geneigter werden werden. Ungleich weniger hoffe ich von den alten Juden, welche freilich nicht ohne Furcht sind, von dem Christentum allmählich überwältigt zu werden und sich darein eher aus Gründen der irdisch gesinnten Berechnungskunst als aus Überzeugung ergeben würden, wie ich denn nicht leicht von irgend einem meiner erwachsenen jüdischen Gemeindeglieder ohne alles Mißtrauen die Erklärung vernehmen könnte, er wolle Christ werden. Ja, wäre der vorige Rabbiner noch hier, durch welchen zum Verwundern schnell das religiöse Leben unter den Juden entflammt worden ist, so würde ich bessere Hoffnung haben. Aber der gegenwärtige, welcher seine Ehre darein setzt, auf den Talmud u. dergl. zu halten, hat kaltes