Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 8 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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licher war das Los der Juden in Frankreich und England, obwohl man gerade in dem zuletzt genannten Lande (unter Heinrich III. und Eduard I.) für ihre Bekehrung Sorge trug. Am entsetzlichsten aber gestaltete sich das Schicksal der spanischen Juden vom 14. Jahrhundert an. 1492 vertrieb sie Ferdinand der Katholische. Es läßt sich freilich nicht verkennen, daß sie durch ihr Verhalten oft solche Grausamkeiten heraufbeschworen haben. Insbesondere haben die Grundsätze des Talmud unheilvoll gewirkt. — Heine wendet sich nun zum zweiten Zeitraum: von Luther bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Luther war den Juden zunächst freundlich gesinnt. Später änderte sich dies. Doch hatte sein Auftreten auch für das Verhältnis zwischen Christen und Juden die größte- Bedeutung. Seine Bibelübersetzung wies die evangelische Kirche kräftig auf die Juden hin. Die letzteren schlossen sich jedoch immer mehr ab. (1565 wurde der Schulchan Aruch von Josef Caro, 1593 das Buch Chissuk Emunah von Isaak Troki herausgegeben. Besonders in Polen entwickelte sich eine rabbinische Hierarchie.) Die evangelische Kirche suchte nun zuerst wissenschaftlich, dann in persönlicher Annäherung die Juden für das Evangelium zu gewinnen. In erster Hinsicht werden genannt Tremellius, Gerson, Hoym, Wagenseil, in zweiter Edzard, Franke, Callenberg, Frommann, Manitius. (Für Proselyten sorgte der Leipziger Professor Carpzov, der Nürnberger Rat und Herzog Ernst der Fromme von Gotha.) Eine Frucht der Arbeit, von Edzard, der mehrere hundert Juden zu Christo führte, ist vielleicht der Erlaß des preußischen Königs Friedrichs I. vom Jahre 1703, aus welchem unser Schriftsteller folgende Worte anführt: „Weil das große Werk der Bekehrung der Juden zu dem geistlichen Reich Christi gehört und unsere weltliche Macht keinen Platz darinnen findet, wie auch die Gewissen der Menschen dem Herrn aller Herrn zu überlassen sind, so müssen wir Zeit und Stunde abwarten, welche der barmherzige Gott, sie zu erleuchten, seinem allen Menschen gnädigen Willen Vorbehalten hat, sie indessen mit Geduld ertragen und Mittel zu ihrer Bekehrung mit aller Liebe und Sanftmut anwenden lassen." Schließlich wird des Stifters der erneuerten Brüdergemeinde, des Grafen Zinzendorf, und seiner warmen Liebe zu Israel gedacht. — Der dritte und letzte Zeitraum umfaßt die Zeit von der Mitte des vorigen Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Durch die Aufklärung (Lessing, Mendelssohn) wurden viele Israeliten dem Talmud entfremdet. Es fanden zahlreiche Übertritte statt. In Berlin schloß sich in 30 Jahren die Hälfte der jüdischen Gemeinde der Kirche an. Die Zurückbleibenden spalteten sich in Orthodoxe und Reformer. Bon beiden erfährt das Christentum oft heftige An-