Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 42 (1886)
- Issue
- 8 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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59 Wer sich bekehre, müsse sagen können: „Ich opfere mich dir, Gott, aus freiem Willen, und aus freiem Willen bekenne ich mich zu dir." Der Christ, der sich rauher Mittel gegen die Juden bediene, meine nur seine und nicht Gottes Sache. Auch unter den Franken, Burgunden und (spanischen) Westgoten war die Lage der Juden damals eine günstige. Sie galten als römische Bürger, trieben Ackerbau, Gewerbe, Handel, Schiffahrt, waren Arzte und Soldaten. Die rabbinischen Satzungen und der Talmud waren unter ihnen noch nicht zur Herrschaft gekommen. Unter den späteren merovingischen und westgotischen Königen trat abermals ein Umschwung ein. 629 verlangte der Frankenkönig Dagobert, die Juden seines Reiches sollten bis zu einem gewissen Tage Christen werden. Die Ungehorsamen wurden mit der Todesstrafe bedroht. Tausende entzogen sich dem Übertritt, bezw. dem Tode durch die Flucht. Ebenso wurde den spanischen Juden die Übung ihrer Religion, die Beschneidung u. a. untersagt, und endlich beschloß der Westgotenkönig Egika, das Judentum völlig auszurotten, dessen Bekenner im Verdacht standen, sich mit Franken und Arabern verbunden zu haben. Viele schworen jetzt ihren Glauben ab, setzten sich aber dadurch neuen Bedrängnissen aus. Der Einfall der Araber in Spanien und die Vernichtung des westgotischen Reiches gestaltete die Lage der Juden wieder günstiger. In Deutschland nahm sich Karl der Große ihrer an und gestattete ihnen den Handel außer dem mit Getreide und Wein. Auf seine Bitte sandte ihm der Chalif Harun al Raschid den gelehrten Rabbiner Machir. Derselbe gründete zu Narbonne eine talmudische Hochschule. Auch ließ Karl durch den Juden Kalonymos aus Lucca in Deutschland die jüdische Gelehrsamkeit fördern und den Gemeinden eine Verfassung geben. Noch mehr that Ludwig der Fromme. Er gestattete den Juden z. B. Freizügigkeit durchs ganze Reich und die Anstellung christlicher Arbeiter (gegen die Kirchengesetze). Ja, er verlegte um ihretwillen die Wochenmärkte vom Sonnabend auf den Sonntag. Diese Begünstigung schlug aber bald ins Gegenteil um. Eine Gewaltthat folgte der andern. Doch war die Lage der deutschen Juden immer noch eine verhältnismäßig erträgliche. Sie galten als Eigentum und Schützlinge des Kaisers, dem sie Schutzgeld zahlten. Jeder Fürst, auch einzelne Städte konnten sich das Recht auswirken, Juden zu halten, um von ihnen eine Kopf- Md Schutzsteuer einzuziehen. Man wies ihnen besondere Gassen zu ihrer Sicherheit an. Während der Kreuzzüge, der Einfälle der Tartaren und des schwarzen Todes steigerten sich die Erpressungen und Verfolgungen. Die Juden wurden der Tötung von Christenkindern, der Vergiftung von Brunnen, des Spiels mit Hostien beschuldigt. Noch schreck-